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 Lost Brother

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Clarity
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BeitragThema: Lost Brother   So Sep 14, 2014 3:22 am

Valentin:

„Sei vorsichtig. Nachher verletzt die Prinzessin sich noch.“ Die provokative Betonung die Noah verwendete, hatte nicht die Wirkung, die er sich vielleicht erhofft hatte. Sein neckisches Kommentar lächelte ich einfach weg, während ich die Axt über meine Schulter anhob und daraufhin den Holzscheitel vor mir spaltete. Ich betätigte mich gerne körperlich. Nicht nur damit man mir auch ansehen konnte, dass ich stark war, sondern auch um Anderen zu helfen. Menschen im Dorf, Kindern, Erwachsenen und älteren Leuten. Mein Volk sah zu mir auf und das obwohl die Könige heutzutage in anderen Ländern meist kritisch betrachtet und verachtet wurden. Sie taten aber nicht ansatzweise, was ich für das Volk tat. „Und dann wird mein Begleiter darunter zu leiden haben, da er nicht darauf geachtet hat, dass mir nichts passiert.“, entgegnete ich lächelnd und zwinkerte ihm zu, sodass er mein Grinsen mittlerweile erwiderte. Er hatte sich mit verschränkten Armen vor das Gebäude der Waisen gelehnt und beobachtete stets, was ich dort tat. Manchmal fragte ich mich, ob mein Bruder in einem solcher Waisenhäuser gelandet war, nachdem er von Zuhause weggelaufen war. Zehn Jahre waren mittlerweile vergangen seit mein Bruder spurlos verschwunden war. Ich hatte ihn ewig gesucht, in der Hoffnung ihn zu finden, doch mittlerweile hatte ich die Hoffnung auf einen Fund aufgegeben. Er wäre mittlerweile fünfundzwanzig und da er weglaufen war, hatte er sich sicherlich aus diesem Land begeben. Ich hatte meinem Vater gar nicht glauben wollen, als er mir erzählt hatte, dass Denis weggelaufen war. Es hatte mir mein Herz gebrochen, weil ich meinen Bruder über alles liebte und zu ihm aufsah. Vor allem aber hatte ich ihm nicht glauben können, da Denis mir einen Abend zuvor einen Kuss aufgedrückt hatte, der anders war, als die Gute-Nacht-Küsse. Aber vielleicht wusste er bereits, dass er ging und hatte sich verabschieden wollen? Denn an meiner Schwäche für Männern, die damals noch nicht ausgeprägt war, hatte das Ganze sicherlich nicht liegen können, selbst wenn ich seither keine Beziehung eingegangen war. Weder mit einer Frau, noch einem Mann. Doch was brachte es mir, weiter über vergangene Dinge nachzudenken? Die Erinnerungen an Denis waren zwar schön, aber schmerzlich zugleich, ganz abgesehen davon, dass das Wissen schmerzte, dass er nie wieder kommen würde. Er hatte mich im Stich gelassen und bisher vermutlich nicht einmal daran gedacht, wieder zurück zu kehren. Zu mir, seinem Bruder.
„Meinst du nicht, dass das genug Feuerholz ist?“ „Für das ganze Waisenhaus?“, harkte ich nach. Ich befürchtete, dass es nicht reichen könnte und sah skeptisch zu Noah. Dieser hatte mittlerweile auf einem Baumstumpf Platz genommen und beobachtete mich, was ihm aber schwer fallen dürfte, da ich ganz in der Dunkelheit stand, während er noch von dem Licht, welches aus dem Waisenhaus drang, erhellt wurde. „Falls sie kein Holz mehr haben, kannst du ja immer noch mal hier herkommen. Nur müssen wir zurück.“ „Ich werde noch das restliche Holz fertig machen. Du kannst gerne schon mal vorgehen.“, stellte ich klar und stellte das nächste Stück Holz auf den Baumstamm vor mir. „Valentin, du weißt, dass ich dich nicht alleine lassen darf.“ „Mir wird nichts passieren. Du bist mein bester Freund, du weißt, dass ich auf mich aufpassen kann.“ „Na gut, aber bleib nicht mehr allzu lange.“, forderte Noah mich seufzend auf, woraufhin ich nickte. „Sobald ich fertig bin, mache ich mich auf dem direkten Wege zurück zum Schloss. Ohne Zwischenstopps.“
Es hatte noch eine knappe Stunde gedauert, in dem die Nacht wirklich vollständig hereingebrochen war und es begonnen hatte zu regnen, während ich das restliche Feuerholz vorbereitet und ordentlich gestapelt hatte. Mit der Nacht kam jedoch auch die Kälte, die mich durch meine bereits völlig durchnässte Kleidung recht schnell frösteln ließ, sodass ich mich noch schnell von den Betreuerinnen des Waisenhauses verabschiedete und noch von einem kleinen Jungen, der mich den Tag über schon beobachtet hatte, ehe ich wirklich den Weg nachhause antrat. Jedoch lief ich recht langsam durchs Dorf, genoss es alleine zu sein und die Ruhe, die sich mittlerweile auf das Dorf gelegt hatte, trotz der Kälte und des Regens. Viele schliefen bereits, anderen aßen zu Abend und ich glaubte gar nicht daran, noch jemanden draußen anzutreffen, wegen des Regens. Doch erwies sich diese Vermutung recht schnell als falsch. Denn ich erkannte die schemenhafte Figur eines Mannes, der am Brunnen zusammen gesunken saß und ebenso durchnässt war wie ich. Wie lange saß er dort wohl schon? Ich überlegte gar nicht lange und entfernte mich von dem Feldweg, somit auch von den Bäumen die unter dem Wind und dem Regen tosende Geräusche von sich gaben, und lief stattdessen hinüber zu dem Brunnen, wo ich mich neben dem Mann niederließ und ihn kurz abschätzend musterte, was mir aber aufgrund der Dunkelheit und des Regens unglaublich schwer fiel. „Was tut ihr hier? Ihr solltet bei dem Wetter längst drinnen sein.“ Er schien vollkommen erschöpft und ich hatte keine Ahnung, was ich mit ihm machen sollte. Ihn hier im Regen sitzen lassen, wollte und konnte ich schließlich nicht. „Wo müsst ihr hin? Ich begleite euch.“, schlug ich schließlich vor, obwohl es mehr eine beschlossene Sache war, dass ich ihn begleiten würde, damit er auch wirklich ins Trockene kam. Zwar war es normalerweise wirklich riskant auf einen Fremden zu zugehen und ihm helfen zu wollen, doch glaubte ich nicht, dass er fähig war, mir etwas zu tun und immerhin sah er aus, als ob er Hilfe brauchte. Zumindest jemanden, der ihn begleitete, damit er auf dem Weg nicht zusammenklappte oder ähnliches.
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Yuna
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BeitragThema: Re: Lost Brother   So Sep 14, 2014 5:36 am

Denis:

„Du wirst gehen. Und eines Tages wirst du verstehen, wieso ich dich dazu zwinge. Deine Mutter weiß darüber bescheid. Falls du sie also darauf ansprechen willst, kannst du diese Option streichen. Sie wird dir nicht helfen.“ Angespannt beobachtete ich die Mimik meines Vaters, folgte jedem seiner Worte aufmerksam und versuchte zugleich einfach alles direkt zu verdrängen. Selbst wenn der Ernst der Lage mir mittlerweile bewusst geworden war. Heute, nach geschlagenen drei Jahren die er versucht hatte mich loszuwerden, hatte er es endlich geschafft. Er hatte meine Mutter so weit manipuliert, dass sie es zulassen würde. Zulassen, dass ihr eigener Sohn ohne irgendwelche Hilfe einfach so raus in die weite Welt ging. Ich hatte im Grunde genommen nur auf diesen Tag gewartet. Denn das Wissen darüber, dass mein Vater mich loswerden wollte, besaß ich nun schon eine ganze Zeit lang. „Wenn du mich verrecken sehen willst, kannst du Muttern ja fragen, ob sie dir beim Planen des Mordes an mir helfen mag“, brummte ich in seine Richtung, während ich zu Boden starrte. „Und frech wirst du auch noch“, erklärte er mir kopfschüttelnd, während er zum Kamin marschierte, und vom Kaminsims ein Bild zog. Ich sah dabei bloß ein wenig verwirrt zu ihm, bevor er jedoch wieder auf mich zu kam und sich damit befasste, das Bild eine Weile für sich selbst zu begutachten. Ich wusste welches Bild in dem Rahmen war, und somit wollte ich auch gar nichts dazu sagen. Ich schwieg, während mein Blick stets am Boden ging. „Du wirst ihm irgendwann schaden. Ich will, dass er auf dem Thron sitzt. Und du verhinderst das mit deiner Anwesenheit.“ „Und das ist ein Grund, mich einfach wegzuschicken? In kein Heim? Einfach weg?“ Er nickte, bevor er mir das Bild so hinhielt, dass ich es mir ansehen konnte. Ich sah nur kurz drauf, da ich genau wusste, dass ich es länger nicht ertragen würde. „Wenn er später nicht auf dem Thron sitzt, wer dann? Du etwa?“ Er lachte. „Der Thron war schon immer für ihn bestimmt.“ „Das hat Mutter nie erwähnt.“ „Sie war nicht sehr stolz auf dich“, begann er mir dann vorzuhalten. „Sie hielt dich eine ganze Zeit lang sogar eher für ziemlich dumm, selbst wenn du ihr oft das Gegenteil bewiesen hast. Du hättest alles versuchen können, es wäre ihr immer egal geblieben. In ihren Augen warst du nie perfekt genug“, stellte er klar. „Und in deinen war ich es natürlich auch nie“, gab ich ihm gereizt zurück, während ich rauf in seine Augen schaute. „Ich habe immer einen Sohn gewollt der begabt ist.“ „Ich bin nicht begabt“, meinte ich direkt, damit er es mir nicht noch sagen musste. Als er dann aber nickte, schüttelte ich zischend den Kopf. „Und was willst du ihm erzählen?“, fragte ich dann doch ziemlich hasserfüllt lächelnd. „Dass ich abgehauen bin?“ Als er mein Lächeln jedoch nur erwiderte, musste ich mir eingestehen, wie dumm das gewesen war. Ich hatte ihm die perfekte Vorlage geliefert. „Valentin, dein großer Bruder ist abgehauen. Er will nicht mehr bei seiner Familie leben. Oh Gott, es tut mir so leid um dich!“, säuselte ich direkt, und verschränkte die Arme vor dem Oberkörper. „Es reicht“, knurrte er. „Chase, du hast genug Unfug angerichtet. Und ja – ich werde ihm erzählen, dass du abgehauen bist. Abgehauen, weil du nicht erträgst, dass wir ihn mehr lieben, als dich“, brummte er. „Chase“, erwiderte ich lachend. „Es ist schade, dass Valentin das wohl erst erfahren wird, wenn du und Mutter bereits unter der Erde verrotten“, stellte ich klar. „Ich wette er wäre fähig sich an allem zu rächen. Für dieses Ausmaß an Dummheit.“ Somit lief ich letztlich an ihm vorbei, in den Flur, um mir dort meine Schuhe anzuziehen und mir meinen Mantel zu schnappen. Ich wollte nicht wortlos gehen, nicht was meinen kleinen Bruder betraf. Aber je eher ich fertig war, desto früher konnte ich aus dieser Hölle verschwinden. Selbst wenn ich noch nicht einmal wusste, wo ich hin sollte. Doch man gab mir gar nicht die Chance, mich nun damit zu befassen. Mein Vater war mir gefolgt und stand mit ziemlich grimmiger Miene etwas weiter entfernt von mir, was ich deutlich spürte. Und nachdem ich mir meine Schuhe angezogen hatte, richtete ich mich wieder auf, ehe ich nach meinem Mantel griff, und zwischenzeitlich zu Lewis schaute. „Wie lange habt ihr an diesem Plan gepfeilt? Ich meine, mehr, als mir zu sagen, dass ich abhauen soll, ist das ja nicht“, erklärte ich ihm spottend, während ich leicht lächelte. „Noch findest du es lustig“, erwiderte er. „Das wird sich sehr bald ändern.“ „Ich hoffe du denkst nicht, dass ich um mich trauere. Es beruhigt mich ungemein, dass ihr Valentin so sehr liebt. Tätet ihr das Gegenteil, ginge ich nicht“, gab ich dann zu, als ich meinen Mantel geschlossen, und einige Schritte in Lewis Richtung gemacht hatte. „Sag Mutter dass sie mich los ist“, brummte ich. „Ich gehe mich noch verabschieden.“ „Habe ich dir das erlaubt?“ Ich lächelte. „Ich brauche keine Erlaubnis von einem vollkommenen Idioten wie dir. Nicht, wenn es um meinen Bruder geht. Und du solltest ihn gut behandeln, wenn er später mal auf dem Thron sitzen soll. Wäre schade, täte er es nicht, nicht wahr?“ Als er darauf nichts zurückgab, sondern nur ziemlich wütend zu mir herab sah, schüttelte ich den Kopf, bevor ich mich die Treppen nach oben rauf zu dem Zimmer von Valentin begab. Ich würde ihm nicht erzählen was abging. Es war zu jung. Nicht, um es zu verstehen. Aber um damit klarzukommen. Denn ohne mich kam er nicht zurecht. Ich war für ihn da, Tag und Nacht. Er war nur ein Mittel zum Zweck, und das nicht nur für unseren Vater. Auch unsere Mutter wartete auf den Tag, an dem Valentin endlich den Thron besteigen konnte. Und ich konnte es nicht einmal verhindern. Und nun, wo ich gehen musste, konnte ich ihm nicht einmal helfen. Bei absolut nichts mehr. Ich fühlte mich fast schon schuldig. Schuldig, weil ich nie ein besserer Sohn geworden war, mich nie angepasst hatte. Aber er hätte mich so oder so loswerden wollen. Was hätte es mir also gebracht, als sein kleiner Sklave zu agieren, damit er zufrieden mit mir und meinem Verhalten war?
Ich stoppte als ich bei Valentins Zimmer angekommen war, und sah ein wenig verzweifelt zu Boden. Es war nicht leicht. Nicht leicht, sich nach den ganzen Jahren von einem Menschen zu verabschieden, den man mehr als alles andere auf der Welt liebte. Vor allem aber nicht, wenn man dazu gezwungen wurde. Ich hatte keine andere Wahl, und gewusst, dass es irgendwann dazu kommen würde. Nun stand ich vor diesem Abschied. Konnte nicht sagen, ob ich es jemals verkraften, oder langsam daran verrecken würde. Es tat mir bisher nicht einmal weh, zu wissen, dass ich keine Ahnung hatte, wo ich groß hingehen sollte. Schlimmer war es, dass ich ihn alleine lassen musste. Alleine lassen, mit unserem durchgeknallten Vater und einer Rabenmutter. Vielleicht agierte sie aber auch nur gegenüber mir so. Doch größtenteils hatte sie Valentin mit einbezogen. Nicht nur ich war an verschiedensten Dingen schuld gewesen, auch er hatte dafür geradestehen müssen. Ich konnte nur darauf hoffen, dass sie besser mit ihm umgehen würden, sobald ich nicht mehr da war. Schließlich verschwand dann der Zorn auf mich, den Sohn, den sie beide nie gewollt hatten. Was an mir so falsch war wusste ich selbst nicht. Aber das konnte mir nun auch egal sein. Es war eine Sache, die an Bedeutung verlor, je mehr ich daran dachte, vor was für einer schweren Sache ich stand. Länger hier aufhalten konnte ich mich jedoch auch nicht. Und somit drückte ich die Klinke runter, betrat das Zimmer und schloss die Tür hinter mir leise wieder, während ich aufmerksam rüber zum Bett schaute, wo Valentin ein wenig unbeholfen saß, und mich direkt mit geneigtem Kopf anstarrte. „Du bist noch wach?“, fragte ich ein wenig verwundert, da ich davon ausgegangen war, dass er um die späte Uhrzeit schon schlafen würde. „Scheint so“, murmelte er bloß, bevor er zu Boden schaute. Ich wusste was los war, und das brachte mich zum Seufzen. Dennoch marschierte ich zu ihm und ließ mich neben ihm auf dem Bett nieder. „Ich weiß dass du ungern den Streit der beiden mitbekommst“, erklärte ich gelassen. „Aber manchmal ist es gar nicht so schlecht, so etwas mitzubekommen.“ „Dann verrat mir, was daran gut sein sollte“, erwiderte er bloß, während er mich stets nicht anschaute. „An verschiedensten Worten die sie wählen, kannst du ihren Intelligenzgrad festlegen“, erklärte ich leicht lachend. „Der bei den beiden nicht sonderlich hoch ist.“ „Du bist ganz schön gemein“, erklärte er schmunzelnd, woraufhin ich nur nickte, und ihm leicht durch seine blonde Mähne fuhr, als er seinen Kopf zu mir gedreht hatte, um mich endlich anzusehen. „Du weißt ich liebe die beiden“, log ich schmunzelnd. „Aber für schlau halten muss ich sie trotzdem nicht.“ „Solange du mich nicht noch als dumm betitelst“, brummte er. Ich schüttelte den Kopf ein wenig, bevor ich meine Hand zu seiner Wange gleiten, und sie dort ein wenig ruhen ließ, während mein Blick stets in seinen Augen lag. „Du bist mit Abstand der schlauste Junge, den ich kenne. Vor allem in dem Alter“, gestand ich ihm, während ich lächelte. Deswegen war ich jedoch gar nicht hier. Ich war nicht hier, um mich insgeheim noch über unsere dummen Eltern aufzuregen. Ich war hier, um mich von ihm zu verabschieden. Aber wie verabschiedete man sich von dem Menschen, der einem sein eigenes Leben bedeutete? „Ich bin eigentlich wegen etwas anderem hier“, erklärte ich ihm ziemlich ruhig, während ich ihm weiterhin in die Augen schaute. Ich konnte mit kaum einem Menschen lange Blickkontakt halten, aber Valentin könnte ich den ganzen Tag über ansehen. „Weißt du noch, was ich dir an deinem Geburtstag gesagt habe?“ Als er leicht nickte, wartete ich einen Augenblick darauf, dass er es mir noch einmal sagte. „Du hast gemeint, dass ich lernen muss, auf mich selbst Acht zu geben. Falls es irgendwann dazu kommt, dass du es nicht mehr tun kannst.“ „Ja“, erwiderte ich ziemlich leise. „Es ist zwar noch lange nicht soweit, aber du musst immer daran denken. Und daran, dass es immer zwei Wege gibt. Es mag einen leichten, und einen schweren Weg geben. Manchmal lohnt es sich, den schweren Weg zu gehen, um an sein Ziel zu kommen“, erklärte ich ihm. „Aber du wirst doch nicht gehen, oder?“ „Nein“, log ich, während ich merkte, wie mein Herz sogar knackste. Es war so dumm ihn anzulügen, und ihn damit wohl noch zu verletzen. Aber was sollte ich machen? Ihm sagen, dass unser Vater mich nicht mehr sehen wollte? Das war absolut keine Alternative. „Aber falls ich irgendwann gehe, musst du dich selbst beschützen können. Ich bin zwar dein großer Bruder, und sollte immer da sein, aber oftmals geht das nicht. Aber ich werde da sein, sobald du mich brauchst“, meinte ich lächelnd. „Ich war schon immer da, wenn du mich gebraucht hast. Und das wird sich auch nicht ändern, wenn ich irgendwann weg bin. Ich bleibe für immer bei dir, mein Kleiner, und das meine ich auch so“, meinte ich dann schmunzelnd, selbst wenn mir jedes einzelne Wort weh tat. Man entriss mir mit dieser Trennung alles was ich hatte. Meinen Bruder, mein Leben, meine Liebe. „Warum sagst du mir das alles?“ „Weil ich es dir sonst nie sage“, erklärte ich. „Willst du es nicht hören?“ „Ich wundere mich nur“, gab er mir wohl tatsächlich ein wenig verwirrt wieder, was ich zu gut nachvollziehen konnte. Ich hielt für selbstverständlich dass er wusste wie ich dachte, auch wenn ich ihm selten die Möglichkeit dazu gab. Immerhin war ich oftmals verschlossen weil ich nie zu viel von mir geben konnte, wenn ich wusste, dass es vielleicht etwas anrichten würde. Ich hatte gelernt zu schweigen, und dabei schlug ich mich auch recht gut. Trotzdem war es an der Zeit, mein Schweigen zu brechen. Denn ich ging davon aus, dass ich Valentin heute das letzte Mal in meinem Leben sehen würde. Sobald er König war, kam ich nicht mehr an ihn heran. Der arme Junge kannte nicht einmal meinen richtigen Namen. Wie sollte er mich später wiedererkennen? Ich wollte ihm keine ehemaligen Geschichten auftischen, die er mir sowieso nicht glauben würde, da ich sie mir auch irgendwie besorgt haben konnte. Somit war es heute tatsächlich der Abschied meines Lebens. Ich blieb für einen Moment bloß noch ruhig sitzen, hatte meine Hand jedoch von seiner Wange gezogen, und sah eine Weile zu Boden. Ich wusste ehrlich gesagt nicht einmal, wie schlau es war, mich von ihm zu verabschieden. Es kam mir so vor, als würde ich mir damit alles nur noch schwerer machen. Denn es zerriss mir das Herz, ihn neben mir sitzen zu haben, während er gar nicht wusste, wie ihm geschah. Und ich konnte ihm nicht einmal aus dieser Situation helfen. Es führte nichts drum herum, dass ich mich nun unterschwellig von ihm verabschieden musste. Und noch länger wollte ich unseren Vater auch nicht warten lassen. Er wollte sehen wie ich das Haus verließ, und dem wollte ich so schnell wie nur möglich nachkommen. Somit nahte der Abschied, welchem ich tatsächlich nicht sehr positiv entgegen sah. Trotzdem musste es passieren. Somit legte ich zwei Finger unter Valentins Kinn, um so seinen Kopf noch einmal leicht zu mir zu drehen, ehe ich ihm auch schon in seine schönen Augen schaute, und für einen Moment einfach ein wenig unbeholfen schwieg. So oft hatte ich hier mit ihm gesessen und mich mit ihm über die verschiedensten Dinge unterhalten. So oft war er in meinen Armen eingeschlafen und wieder aufgewacht. Ich konnte nicht leugnen, dass ich ihn und diese Zeit vermissen würde. Und um ehrlich zu sein, war ich mir selbst auch ziemlich egal. Ich würde schon einen Weg finden, dieses Leben weiterführen zu können. Bedeutend war für mich bloß, dass Valentin ein leichtes Leben führte. Und ich schwor mir, dass ich mich an unseren Eltern rächen würde, wenn sie es nicht hinbekamen, dass es Valentin der Umstände entsprechend gut ging. Vielleicht würde er mich auch irgendwann einfach vergessen oder gar verdrängen. Das wäre zumindest leichter für ihn. Vor allem nach dem Abschied, dem ich ihm nun bescheren würde.Und ich konnte mich dafür hassen so sehr ich nur wollte. Weder mein Kopf noch mein Herz ließen mir eine Wahl. „Egal was geschieht, denk immer daran, dass dort draußen immer ein Mensch ist, der dich mehr, als jeden anderen auf dieser Welt liebt“, erklärte ich ihm. „Das werde immer ich sein. Und ich möchte, dass du dir das merkst. Wenn ich dich irgendwann enttäusche, hast du das Recht mich zu hassen. Ich weiß nur nicht, ob du damit so glücklich werden würdest.“ Ich schaute ihm noch immer in die Augen, hatte mich mittlerweile jedoch ein wenig zu ihm gebeugt und sah für einen kurzen Augenblick herab zu seinen Lippen. Ich fing mich nicht mehr, und das wurde mir recht schnell bewusst. Dennoch sah ich ein letztes Mal zu seinen Augen rauf. „Du bist nicht nur mein Bruder. Du bist alles, was ich habe, und alles, was ich will“, gestand ich ihm, wissend, dass er jedes einzelne Wort verstand. Er war reif, er wusste wovon ich sprach und selbst wenn es ihm nicht gefallen würde, sollte er davon wissen. Denn wenn ich nun nicht darüber sprach, bekam ich die Möglichkeit nie. Ich würde weg sein, aus seinem Leben verschwinden, und das für immer. „Ich liebe dich. Vergiss das niemals“, flüsterte ich leicht lächelnd, ehe ich mich auch fast schon fast dazu drängte, meinen Blick noch für einen Moment in seinen Augen zu halten, bevor ich mich seinen Lippen widmete. Ich brauchte gar nicht lange darüber nachdenken, da ich es nicht für falsch hielt. Ich hatte mich nie damit befasst, nicht etwa weil ich es für abstoßend empfunden hatte, sondern weil ich ihm Zeit geben wollte. Jedoch hatte man uns diese Zeit entzogen. Und somit blieb mir nichts anderes, als mich hier und jetzt mit einem zärtlichen Kuss von ihm und unserer gemeinsamen Zeit verabschieden, während ich noch eine Hand an seine warme Wange legte, und mich auch eine ganze Weile lang nicht mehr von ihm löste, ihn auch nicht aus dem Kuss fliehen ließ, sondern ihn nur ein wenig vertiefte. Er sollte sich diesen Moment einprägen, und nicht vergessen, dass ich existierte. Denn selbst wenn ich nun gehen musste, konnte es sein, dass ich ihm irgendwann wieder über den Weg laufen würde. Und falls das geschah, wäre ich in seinen Augen der Schuldige. Ich wäre abgehauen, hätte ihn alleine gelassen und bestätigt dass meine Worte Lügen gewesen waren. Das änderte trotzdem nichts an der Tatsache, wie wichtig er mir war, und es stets bleiben würde. Mein kleiner Bruder, den ich mehr liebte, als alles andere auf dieser kalten Welt.
„Ich denke du kannst dann für heute schluss machen“, vernahm ich Dimitri aus einigen Schritten Entfernung, während ich mich noch damit befasste, mir den Großteil der Erde von meiner dunklen Hose zu klopfen. Ich hatte nun eine halbe Ewigkeit dort gehockt und mich damit befasst, gemeinsam mit einem Freund von diesem Arbeitsplatz hier, noch den Rest Unkraut bei den Blumenfeldern zu rupfen. Ich hatte es um die Uhrzeit zwar nicht mehr für nötig gehalten, aber natürlich wollte ich mich Dimitri nicht widersetzen. Es galt ihm zu gehorchen, was unsere Arbeit bei ihm betraf. Immerhin arbeitete ich schon recht lange für ihn, und wusste somit auch, dass er hin und wieder schlecht drauf sein, oder gar dumm reagieren konnte, wenn man nicht tat, wonach er denn verlangte. Und ich wollte diese Arbeit hier auf keinen Fall verlieren, ich besaß sowieso schon viel zu wenig. Außerdem konnte ich es mir nicht erlauben, plötzlich kein eigenes Geld mehr zu verdienen. Ich hatte dieses Geld wirklich nötig, und das wurde mir wieder bewusst, als Dimitri bei uns angekommen war, und uns beiden den Lohn für diesen Monat übergab. Ich übergab das kleine Säckchen mit dem Geld jedoch direkt Shawn, da ich noch nicht vorhatte, gemeinsam mit ihm zurück zu unserem Haus zu wandern. Sein fragender Blick machte mir jedoch deutlich, dass er eine Erklärung von mir haben wollte. Ich überließ ihm zwar stets das Geld, aufgrund der Tatsache dass wir gemeinsam mit drei Erwachsenen und vier anderen Kindern in einem wirklich kleinen Haus lebten, aber diesmal schien es ihn zu wundern, da ich nicht den Anschein machte, als würde ich ihn nun begleiten. „Wo willst du noch hin?“ Ich zuckte leicht mit den Schultern, während ich mir durch meine dunklen Haare fuhr, und mich kurz umschaute. Zwar war es mittlerweile sichtlich dunkel geworden, und der Himmel sah auch nicht danach aus, als würde dieser Abend mit friedlichem Wetter verlaufen, aber ich war viel zu erschöpft um Sebastian nun direkt zu folgen. Ich wusste dass ich irgendwie nach Hause kommen musste, und ich war mir sicher, dass es mit ihm gemeinsam schneller gehen würde. Wir konnten uns auf dem Weg unterhalten und vielleicht sogar ein wenig darüber lachen, dass Dimitri sich heute wieder wie ein totales Arschloch aufgeführt hatte. Aber ich war einfach nicht gewillt, ihn nun zurück zu begleiten. Somit blickte ich wieder zu ihm rüber und zog fragend eine Augenbraue hoch. „Schaffst du es nicht alleine nach Hause?“ Er schüttelte leicht grinsend den Kopf, was ich nur ein wenig abwesend erwiderte. „Hatte ich mir beinahe gedacht.“ „Also? Wohin willst du noch? Sam wird nicht erfreut darüber sein, wenn du zum Abendessen nicht da bist.“ „Ich weiß das, Sebastian“, brummte ich ein wenig in Gedanken schwelgend. Es wäre tatsächlich nicht schön Sam so hängen zu lassen, das war mir natürlich bewusst. Sie kümmerte sich schon um mich, seit mein Vater mich damals von zuhause verbannt hatte. Ich hatte die Gründe innerhalb einige Jahre endlich verstanden, aber da hatte ich kaum noch die Zeit gehabt, groß darüber nachzudenken. Ich musste verstehen dass ich eine neue Familie hatte, auch wenn es in dieser nie wirklich leicht gewesen ist. Denn neben Sam und ihrer Schwester war dort niemand, mit dem ich mich wirklich länger als fünf Minuten unterhalten wollte. Selbstverständlich fand ich Sebastian total in Ordnung, aber er war nicht das einzige Kind von Sam. Gemeinsam mit ihr und den anderen lebten dort noch ihre zweite Tochter und ein weiterer Sohn, mit welchem ich bis heute nicht wirklich zurecht kam. Ich wusste nicht was er gegen mich hatte. Aber wahrscheinlich war er einfach nicht glücklich darüber, dass ich der neue Liebling von Sam war. Über den Gedanken musste ich doch leicht schmunzeln, bevor mich Sebastian aber wieder völlig aus der Fassung riss. „Du verläufst dich nicht, hast du das verstanden?“ „Wenn ich mich verlaufen würde, würde ich wohl nicht mehr sonderlich lange unter den Lebenden weihen. Sam würde mir wohl den Kopf abreißen“, erklärte ich ihm lachend. „Das wird sie schon weil du mich nicht begleiten wolltest. Ich sage ihr dass du Dimitri noch ein wenig länger geholfen hast“, vernahm ich ihn lächelnd, woraufhin ich nur nickte. „Danke.“ Binnen kürzester Zeit war er dann auch schon aus meiner Sichtweite verschwunden, und überließ mich mir selbst. Ich wusste nicht einmal recht wo ich nun hin wollte. Wichtig war bloß, dass ich vor dem Unwetter wieder zuhause ankam. Denn so wie der Himmel mittlerweile aussah, schien der Regen nicht mehr lange auf sich zu warten.
Kaum viel Zeit war vergangen, da hatte es auch schon zu regnen begonnen. Dementsprechend war ich auch recht schnell komplett durchnässt worden, war nicht einmal sehr weit gekommen, und hatte auch nicht die Möglichkeit gehabt, mich irgendwo vor dem kalten, nahezu widerlichen Regen zu schützen. Aber durch meine arge Erschöpfung war der Regen mein kleinstes Problem. Ich hatte mich, wie von Sebastian vorausgesagt, verlaufen. Oder es lag wirklich nur daran, dass ich komplett fertig war. Schließlich fand ich mich nach einer Weile an einem Brunnen wieder, an welchem ich mit dem Rücken gelehnt saß, während ich irgendwie versuchte dem Regen auszuweichen. Jedoch merkte ich recht schnell, dass das absolut keinen Sinn machte. Somit ließ ich es nach einer Zeit auch bleiben, und starrte einfach geradeaus. Direkt in die Richtung des Waldes vor mir, wo ich jedoch nichts als Schwärze erkannte. Es war spät, dunkel, kalt und mehr als nur nass. Und selbst wenn ich den Weg irgendwie finden könnte, wollte ich mich dazu gar nicht wirklich aufraffen. Ich wollte nicht zurück zu dieser Familie, nicht zurück zu Sam, welche total aufgelöst über mein Verschwinden sein würde. Ich hielt das alles nicht mehr aus, und die Erschöpfung dramatisierte das Ganze erst. Jedoch riss mich jemand aus dieser. Eine Stimme nicht weit entfernt von mir holte mich aus meinen Gedanken, ehe ich im nächsten Moment auch die Person dazu erkannte. Er hockte direkt neben mir, und fragte mich direkt, wo ich hin müsste, und sagte mir, dass er mich begleiten würde. Bevor ich jedoch dazu kam, mir Gedanken darüber zu machen wo ich hin musste, zerstörte mir mein Kopf sämtliche harmlose Dinge. Ich dachte nicht mehr daran dass ich zurück zu Sam musste, selbst wenn ich nicht einmal wollte. Ich dachte nicht mehr daran, dass ich morgen wieder pünktlich zur Arbeit erscheinen musste, selbst wenn ich zu erschöpft war. Ich dachte nur noch daran, wie meine Vergangenheit in meiner alten Familie ausgesehen hatte. Mit einem komplett idiotischem Vater, einer Rabenmutter und einem bezauberndem Bruder. Meine Augen weiteten sich, als ich den blondhaarigen Mann, wessen Haare jedoch durch die Nässe einen scheinbar dunkleren Ton angenommen hatten, neben mir aufmerksam zu mustern begann. Mein Blick fiel sofort in seine Augen, nachdem ich seinen Mimik kritisch beäugt hatte. Durch den Mondschein wurden mir seine grünen Augen nur noch deutlicher gezeigt, was mich für einen Moment sogar erstarren ließ. Ich war nicht einmal fähig zu atmen, durch den Schock, den ich zu verkraften versuchte. Ich konnte mich irren, ich ging aber davon aus, dass ich richtig lag. Richtig lag damit, dass das hier neben mir mein leiblicher Bruder war. Der Mann, der mittlerweile über dieses Land regierte. Ich versuchte tief durchzuatmen, während ich mich damit befasste, in meinem Kopf Ordnung zu schaffen. Ich war mir sicher, dass er mein Bruder war. Und trotzdem hatte ich nicht die Möglichkeit, ihm das nun offen zu sagen. Ich konnte nicht so tun als wäre nie etwas geschehen, und das wurde mir relativ schnell bewusst. Ich hatte damals gelernt zu schweigen, und auch heute hatte ich das nicht verlernt. Diesmal jedoch schwieg ich nicht über irgendwelche Gefühle, sondern über die Wahrheit. Er durfte nicht erfahren wer ich war, solange ich nicht wusste, wie er über mich dachte. Selbst wenn ich wusste, dass es keinesfalls gut sein konnte. Was sollte er schon über mich denken, nachdem ich ihm gesagt hatte, dass ich immer für ihn da sein würde, und hinterher plötzlich aus seinem Leben verschwunden war? Ich versuchte erneut tief durchzuatmen, bevor ich meinen Blick ein wenig angespannt zu Boden senkte, um den Blick von Valentin auszuweichen. „Den Weg zurück zu meinem Haus werde ich schon alleine finden“, stellte ich ziemlich verzweifelt klar, während ich jedoch zu lächeln versuchte, und mir kurz durch meine klitschnassen Haare fuhr. Ich zwang mich trotzdem Valentin wieder anzusehen, jegliche Gedanken vorerst jedoch komplett zu verdrängen. Ich durfte nicht einmal darüber nachdenken. „Ihr solltet euch aber auch nicht alleine draußen herumtreiben. Wenn euch etwas passiert, geht hier bestimmt die Welt unter“, stellte ich angespannt klar. „Ich komme zurecht. Wirklich“, meinte ich dann lächelnd, während mein Blick weiterhin aufmerksam in seinen Augen lag. Ich sah das Ganze hier nicht einmal als unglücklich an. Denn ich ging davon aus, dass er mich mit meiner Aussage alleine ließ. Damit ich gar nicht erst in sein Leben eintauchen würde. Es würde ein Chaos anrichten. Ein Chaos, welches weder ihm, noch mir gut tun konnte. Es würde uns beide womöglich mehr schaden als gewollt. Und selbst wenn es mich innerlich beinahe umbrachte. Welche Wahl hatte ich? Ich hatte nie eine Wahl gehabt. Auch heute hatte ich keine.
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BeitragThema: Re: Lost Brother   So Sep 14, 2014 6:01 am

Valentin:

Vermutlich war es leichtsinnig gewesen, in der Dunkelheit und bei diesem Regen, auf den Mann vor mir zu zu gehen und ihm helfen zu wollen, doch war es mir wichtig, den Menschen aus meinem Volk zu helfen und zu diesen zählte der Dunkelhaarige vor mir nun mal auch, obwohl er sich strickt gegen meine Hilfe wehrte. „Ich komme zurecht. Wirklich.“ Ich glaubte ihm zwar, dass er fähig war, sich um sich selbst zu kümmern, doch schien es mir so, als wolle er gar nicht dorthin, wo er eigentlich hingehörte. Er sah beinahe ein wenig verloren aus, was mich auch dazu brachte, mich neben ihn sinken zu lassen. „Gut, wir Beide haben zwei Optionen.“, erklärte ich und sah instinktiv direkt zu ihm. „Entweder wir bleiben beide hier sitzen und holen uns vermutlich den Tod.“, begann ich lächelnd. „Oder ihr kommt mit mir mit, sodass ihr nicht nachhause müsst, aber auch nicht länger in der Kälte verweilt. Selbst wenn ich euch glaube, dass ihr auch gut alleine zurecht kommt. Lasst mich euch helfen.“ Ich meinte ernst, was ich ihm hier entgegen brachte. Denn ich würde ihn nicht in Ruhe lassen, bis er sich ins Warme rettete, selbst wenn ich Noah gesagt hatte, dass ich ohne Zwischenstopps zurückkehren würde, ich konnte nicht zulassen, dass der Mann vor mir, welcher mir von vornherein vertrauensvoll erschien, hier draußen verreckte. Es war einfach zu kalt, mit der zusätzlichen Nässe. Die kurze Stille die zwischen uns herrschte, ließ noch einmal Spielraum für den tosenden Wind und die raschelnden Blätter, welche das Wetter nur noch einmal unterstrichen. „Ich weiß, dass ihr weder meine Hilfe noch meine Anwesenheit für gutheißen wollt, aber ich will euch nichts böses. Ich möchte nur nicht, dass ihr so achtlos mit eurem Leben umgeht. Eure Familie würde ewig unter eurem Verlust leiden. Ich habe so meine Erfahrungen gemacht. Und ihr seid noch jung.“, gestand ich dann, während ich meinen Blick von ihm abwendete und mich ein wenig umsah. „Aber ich schätze, dass eine Predigt euch auch nicht weiter hilft, nicht wahr?“ Ich lächelte ein wenig abwesend. Vermutlich hielt er mich für dumm, aber ich wusste, wie schmerzhaft ein Verlust war. Ich hatte meinen Bruder verloren und wusste bis heute nicht, wo er war. Als mein Vater mir gesagt hatte, dass Chase weggelaufen war, hatte ich die darauffolgenden Tage damit verbracht, durch das Dorf zu laufen und alle Leute nach meinem Bruder zu befragen. Ich hatte ihn überall gesucht und das nicht nur, wegen dem vorherigen Abend. Ich brauchte meinen Bruder. Ich liebte meinen Bruder. Doch er war spurlos verschwunden und niemand hatte ihn gesehen und mit jedem Tag, den er weg war und nicht zurück kam, traten weitere Risse in meinem Herzen auf. Er hatte gesagt, dass er da sein würde, wenn ich ihn brauchte, aber wo war er, als ich ihn dann brauchte? Als ich all meine Zeit dem Warten auf seine Rückkehr widmete? Er war nicht da und war auch die nächsten Jahre nicht zurückkehrt. Irgendwann hatte ich die Suche dann auch aufgegeben und mich mehr meinen Pflichten, sowie mit dem Volk beschäftigt, doch half mir das nur, mich von der großen Lücke in meinem Leben abzulenken. Es waren nun zehn Jahre vergangen und ich wusste kaum noch, wie der Klang seiner Stimme war. Ich war mir auch sicher, dass er vor mir stehen konnte und ich ihn nicht erkennen würde, da mein Kopf versucht hatte, ihn zu verdrängen. Meinen großen Bruder. Da mir jeder Gedanke an ihn unglaublich weh getan hatte. Ich räusperte mich kurz und lächelte wieder freudig, selbst wenn mich meine Gedankengänge innerlich wieder unglaublich traurig werden lassen hatten. „Wie habt ihr euch entschieden?“
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BeitragThema: Re: Lost Brother   So Sep 14, 2014 6:50 am

Denis:

Für mich war es das wahrscheinlich schlimmste Gefühl, zu wissen, wer sich hier gerade um mich und mein Wohlergehen bemühte, und zusätzlich noch über Verluste sprach. Es ging mir absolut nicht gut dabei das alles zu wissen, und trotzdem konnte ich mir einfach nichts anmerken lassen. Valentin war so unglaublich attraktiv geworden, dass ich mich neben ihm total klein fühlte. Er war so ein unfassbar reizender Mann, dass ich nicht einmal Widerstand bei seinen Worten leisten konnte. Er wollte mir helfen anstatt mich hier zurückzulassen, und ich hatte aufgrund seiner charmanten Worte einfach gar keine andere Wahl, als letzten Endes seinen lieblichen Worten zu folgen, welche irgendwann jedoch ein wenig an Freude abnahmen. Er schien sich aufgrund der Worte über Verluste Gedanken zu machen, und ich konnte direkt erahnen um was es sich hier handelte. Er musste daran denken wie ich damals von zuhause geflohen war, weil unser Vater es mir kalt wie er war befohlen hatte. Trotzdem konnte ich ihm nun nicht einfach sagen, dass ich momentan neben ihm saß und mit Sicherheit nicht aus eigenem Wille abgehauen war. Somit schaute ich stattdessen nur einmal kurz zu Boden, während ich verständnisvoll aufgrund seiner Predigt nickte. „Ich muss euch enttäuschen, ich habe bereits alles verloren, was mir lieb ist“, spielte ich dann doch ein wenig auf meine Vergangenheit an. „Und für meine Familie bin ich seit meiner Geburt gestorben. Ich habe ihnen nie wirklich viel bedeutet, und ich war kein Sohn den sie sich gewünscht haben“, schilderte ich dann doch noch ein wenig expliziter, um ihm zumindest kleinste Hinweise zu geben. Ich wusste wie intelligent er war, trotzdem war mir auf der anderen Seite auch bewusst, dass er niemals an etwas Absurdes denken würde. Er konnte von selbst nicht darauf kommen wer hier neben ihm saß, und mit diesem Gedanken befasste ich mich deswegen nicht weiter. Stattdessen erhob ich mich vom Boden und reichte Valentin mit einem liebevollen Lächeln auf den feuchten Lippen meine Hand, um ihm aufzuhelfen. Immerhin gehörte es sich nicht, dass ein König dass auch noch für irgendeinen Dorfburschen übernahm. Und ich wollte definitiv keinen falschen Eindruck bei ihm hinterlassen, weswegen ich seine Hand auch direkt losließ, nachdem ich ihm aufgeholfen hatte. Selbst wenn bereits diese kurze Berührung mir ein Stück Familie zurückgegeben hatte. Für wenige Sekunden hatte ich mich besser gefühlt. Hatte gespürt dass ein weiterer Teil von mir noch existierte. Der Teil, den man mir so lieblos entrissen hatte. Ich schaute Valentin ein wenig verträumt an, war mittlerweile teilweise sogar glücklicher über seine Anwesenheit, als eingeschüchtert in dieser, aufgrund der Tatsache dass ich nun sicherlich die Möglichkeit hatte, so einiges über sein Leben zu erfahren, an welchem ich kaum noch Teil gehabt hatte. Ihm war sicherlich einiges passiert wovon ich auch heute nicht erfahren würde, aber zumindest das Grobe wollte ich von ihm hören. Ich hatte keinesfalls das Privileg darauf, aber wenn er mich irgendwann als Freund anerkennen würde, hatte ich sicher die Möglichkeit ihn ein wenig auszufragen. Ich wollte so viel wie nur möglich über meinen Blondschopf erfahren, und da war mir alles lieb. „Ich werde euch selbstverständlich begleiten“, erklärte ich ihm dann auf seine Frage hinweg, während ich ihm stets aufmerksam in die schönen, grünen Augen schaute. „Ein so charmantes Angebot kann ich wohl schlecht ablehnen.“ Ich wollte ihm keinesfalls zu nahe treten, weswegen ich bloß ein wenig entschuldigend lächelte und mir kurz über den Nacken fuhr. Ich war gespannt auf den Rest der Nacht. Vielleicht würde ich schon heute einige Dinge erfahren, vielleicht auch erst morgen. Hauptsache ich erfuhr überhaupt irgendetwas. Ich wollte ihn kennenlernen. Meinen kleinen Bruder Valentin.


Zuletzt von Administrator am Di Sep 16, 2014 1:09 pm bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Lost Brother   So Sep 14, 2014 7:20 am

Valentin:

Ich war erleichtert, dass er sich nach einer kurzen Zeit dann tatsächlich für eine der beiden Optionen entschied und mich somit aus meinen weniger positiven Gedanken riss, mit welchen ich meine Zeit gar nicht mehr vergeuden wollte. Die Trauer brachte mir absolut nichts. Ich hatte gelernt alleine klar zu kommen, selbst wenn ich wusste, dass er mir immer fehlen würde. Ein wenig lächelnd beobachtete ich den Mann vor mir schließlich mal ordentlich, musste auch recht schnell feststellen, dass das was ich sah, durchaus ansprechend war. „Da habt ihr wohl recht.“, meinte ich dann scherzhaft, bevor ich mein Hemd einmal glatt strich, um nicht vollkommen unbeholfen dazustehen, nachdem er schon dabei hatte zusehen dürfen, dass meine Fassade bröckelte, selbst wenn ich mich noch einmal gefangen hatte. „Ich kann euch den Weg jedoch nicht angenehmer machen, da ich momentan keine Mittel zur Verfügung habe. Das muss warten, bis wir da sind.“, murmelte ich freundlich und lächelte ihn noch einmal an, bevor ich langsam losging und stets darauf achtete, dass er neben mir herlief. Noah würde mich vermutlich dafür köpfen, dass ich mich unserer Abmachung entzogen hatte, doch vielleicht verstand er, wenn ich ihm erklärte, dass ich dem Mann neben mir nur hatte helfen wollen. Es war zwar nicht meine Aufgabe ihm Zuflucht zu gewähren, weil er sich in seiner Familie nicht wohl fühlte, doch hatte ich das drängende Bedürfnis gehabt, mich seinem Problem anzunehmen. Es musste ja keine Lösung auf Langzeit sein. Doch vielleicht konnte ich mich nochmal mit ihm unterhalten, wenn ich ihn ein warmes Bad hatte nehmen lassen und er sich danach mit trockenen Sachen zum Essen begeben konnte. Ich wollte etwas über ihn erfahren, nachdem ich ihn nun schon zum Schloss schleppte und wollte ihm bei einer Lösung seiner Probleme helfen, selbst wenn ich diese Lösung heute Abend nicht in Angriff nehmen würde, sondern bloß versuchen würde, ein wenig was über ihn zu erfahren.
Bereits an den Toren des Schlosses, hatte ich die Verwunderung vernehmen können, durch den Mann, den ich mit mir führte. Ich führte nie jemandem zum Schloss und hatte sowieso recht selten Besuch, selbst wenn ich mich oft im Dorf aufhielt. Vor allem aber hatte ich keinen Besuch, der über Nacht blieb, denn irgendwelche Verhältnisse mit Männern hatte ich auch nie gehabt. Der Kuss meines Bruders hatte mir deutlich gezeigt, dass ich Männer mehr begehrte, als Frauen, doch ebenso hatte er gezeigt, dass ich meinen Bruder mehr begehrte, als alle anderen Männer dieser Welt. Nachdem ich den Wachen erfolgreich erklärt hatte, dass der Mann für einige Tage am Schloss bleiben würde, ich jedoch nicht einmal seinen Namen kannte, ließen mich die Wachen ziehen, wenn auch skeptisch.
„Ich dachte du willst keine Zwischenstopps auf dem Weg nachhause machen?“, fragte mich Noah, nachdem ich die Eingangshalle mit dem Dunkelhaarigen neben mir vollkommen durchnässt betreten hatte, und deutete auf meine Begleitung. „Willst du mir nun Hausarest geben? Du bist nicht mein Vater, sondern mein bester Freund.“ „Und du bist der König. Du solltest dich weniger in Gefahren stürzen und mehr in Sicherheit wissen.“, belehrte er mich und ich seufzte leise. „Ich weiß.“ Ich wollte nun mal Leuten helfen, die sich anders nicht zu helfen wussten. Somit blickte ich zu meiner Begleitung, welche noch viel attraktiver war, als ich es im Mondlicht hatte erahnen können und mich an irgendjemanden erinnerte, wobei ich nicht wusste wer es war. Vielleicht hatte ich ihn ja im Dorf bereits einige Male gesehen? „Ich bringe euch zu dem Gemach, welches ich euch für die nächsten Tage freistelle. Ihr könnt ein warmes Bad nehmen und euch trockene Sachen anziehen, danach möchte ich aber, auch wenn ihr müde seid, dass ihr noch zum Essen erscheint.“, erklärte ich kurz, bevor ich gemeinsam mit ihm die Treppen hinauf lief, in den ersten Stock. Dort auf dem Flur hatte auch ich mein Gemach, ebenso, wie dort Denis Gemach gewesen war. „Ihr könnt euch hier auch die nächsten Tage frei bewegen, ohne dass ihr meine Erlaubnis braucht. Doch einen Raum dürft ihr nicht betreten.“, brummte ich dann, während ich auf die Türe neben meinem Gemach deutete. „Dort ist nichts, was ich vor euch geheim halten will, jedoch aber Dinge, die stets so unberührt herum liegen sollen, wie sie es tun. Berücksichtigt das einfach und wir werden keine Probleme haben.“ Mit diesen Worten ging ich noch einige Zimmertüren weiter und nach rechts, fünf Türen neben meiner, blieb ich dann stehen. „Das hier wird euer Gemach sein. Zumindest für die nächsten Tage. Wir werden schauen, was wir danach machen. Nehmt aber nun erst mal ein Bad. Ich werde unten im Speisesaal auf euch warten und wenn ihr irgendetwas braucht oder nicht dorthin findet, könnt ihr irgendeinen der Bediensteten fragen. Sie werden euch sicherlich Auskunft geben können oder euch weiterhelfen, falls ihr etwas benötigt.“ Ich lächelte freundlich und sah in seine Augen. „Oder habt ihr nun noch eine Frage? Und bevor ich es wieder vergesse, wie heißt ihr, wenn ich fragen darf?“ Vielleicht verriet mir ja sein Name, woher ich ihn kannte.
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BeitragThema: Re: Lost Brother   So Sep 14, 2014 8:38 am

Denis:

Als wir am Schloss angekommen waren machte mein Herz direkt einige schmerzhafte Sprünge. Es war ungewohnt nach so vielen Jahren hier zu sein, und dann zusätzlich so zu tun, als wäre ich niemals hier gewesen. Ich sah zum ersten Mal mein Zuhause wieder, und es brauchte mich einfach nur langsam um. Trotzdem konnte ich nicht anders, als Valentin wortlos zu folgen und mich fasziniert umzusehen. Es sah hier viel friedlicher und schöner aus, seit Valentin regierte und sich auch um alles zu kümmern schien. Ich erinnerte mich daran, wie es damals ausgesehen hatte. Mehr wie eine verbitterte Festung als ein heroisches Schloss. Aber schließlich war mein Bruder keinesfalls wie unser Vater, was mich ungemein beruhigte, da er scheinbar wirklich zu einem wundervollen Mann herangewachsen war. Zwar hatte ich das nicht beeinflussen können, jedoch freute es mich ungemein ihn so zu erleben. Demnach wunderte mich auch nicht dass sein scheinbar bester Freund, welchen ich doch ziemlich skeptisch beäugte, so besorgt um ihn schien. Er konnte nicht wissen dass Valentin mein Bruder war, und ich ihm niemals etwas tun könnte. Trotzdem folgte ich seinen Worten genau so aufmerksam und verfolgte nur, dass Valentin doch besser auf sich aufpassen müsste. Ich war mir sicher dass er das bestens konnte, und er sicherlich niemanden brauchte der ihm irgendetwas vorschrieb. Selbst wenn er sein bester Freund sein mochte, war er mir aufgrund dieser Tatsache nun schon unsympathisch geworden. Valentin war alt genug um sich selbst zu beschützen, ich hielt irgendwelche Vorschriften für absolut unnötig. Ich wollte mich aufgrund dessen beinahe schon einmischen, jedoch merkte ich recht schnell, dass ich mich hier lieber zurückhalten sollte. Ich durfte keine Fehler machen und erst recht nicht den Zorn meines Bruders auf mich ziehen. Demnach war ich recht erleichtert darüber, als Valentin beschloss, mir mein Gemach zu zeigen. Selbst wenn ich nicht vorhatte hier nun seine Zeit zu verschwenden, schien es mir mehr als nur plausibel genau das zu tun. Es war die einzige Möglichkeit herauszufinden wie er über mich dachte, und ich wollte so viel wie nur möglich erfahren. Doch merkte ich auch, dass das Ganze nicht ohne Schmerzen verlaufen konnte. Denn als wir den Flur durchliefen auf welchem unsere ehemaligen Gemache lagen, schmerzte mein Herz erneut, diesmal sogar schlimmer als vorher. Mein Blick fiel direkt zu dem Gemach in welchem ich damals gelebt hatte, über welches er auch direkt zu reden begann. Er sagte mir dass er dort nichts vor mir geheim halten würde dort jedoch alles unberührt rumliegen bleiben sollte. Ich wusste gar nicht mehr wie alles dort in diesem Raum aussah, da ich nicht mehr wusste wie ich es damals verlassen hatte. Wahrscheinlich war es komplett ordentlich, so wie ich es auch immer gewesen war. Jedoch nickte ich nur auf seine Worte hinweg und schaute mich schwer schluckend im Flur um, bevor ich ihm einfach ohne Worte zu dem Gemach folgte, auf welchem ich mich die nächsten Tage aufhalten würde. Ich schaute einige Sekunden später zu Valentin und hielt meinen Blick auch aufmerksam in seinen Augen, während ich mir einmal durch meine noch immer nassen Haare fuhr. Auf seine Frage wollte ich beinahe das antworten, was er hätte hören sollen. Dass ich Chase Hartwig hieß, was jedoch keinesfalls stimmte. Unser Vater hatte mir diesen Namen gegeben, damit Valentin niemals herausfinden würde, wer ich wirklich war. Er sollte keinen Kontakt zu mir haben, und ich wusste dass diese Beziehung zwischen uns ebenfalls ein Faktor dafür gewesen ist, dass ich letzten Endes hatte gehen müssen. Darüber dachte ich nun aber gar nicht weiter nach. „Denis“, erwiderte ich dann lächelnd, bevor ich meine Hand bereits auf die Klinke der Tür legte. „Ich werde meinen Weg schon irgendwie finden.“ Schmunzelnd betrat ich dann das Zimmer, woraufhin ich auch direkt schon eine weibliche Stimme hinter mir vernahm, weswegen ich mich rasch umdrehte und die Bedienstete die dort bei Valentin stand, für einen kurzen Augenblick musterte. „Etwas Trockenes zum Anziehen“, erklärte sie mir lächelnd, während sie mir die frischen Sachen übergab, bevor sie auch schon wieder rasch verschwand, sodass ich noch einmal zu Valentin schauen konnte, welcher sich darauf aber auch auf den Weg machte. Er überließ mich mir selbst, was ich in dem Moment sogar als ganz angenehm empfand. Denn ich machte mich direkt auf den Weg in das Badezimmer um dort ein Bad zu nehmen, damit ich mich hinterher noch mit ihm beim Abendessen unterhalten konnte.
Nachdem ich baden gewesen war, was tatsächlich nicht sonderlich lange gedauert hatte, hatte ich mich abgetrocknet und angezogen, mich dann sogar noch eine halbe Ewigkeit um meine Haare gekümmert und stets darauf geachtet, dass diese auch gut aussahen. Ich wollte hier schließlich nicht komplett angekratzt rumrennen, außerdem wollte ich mir ein einigermaßen akzeptables Image nach deinem eigenartigen Auftreten draußen am Brunnen aufbauen. Ich wollte Valentin beweisen dass ich vielleicht doch interessant war, und gar nicht so eigenartig wie ich schien. Und weil ich mich hier bestens auskannte, war es für mich auch nicht sonderlich schwer, den Weg zum Speisesaal zu finden, wo ich dann auch direkt auf Valentin traf. Ich hatte eigentlich seinen besten Freund hier erwartet, aber dieser war weit und breit nirgends zu sehen, was mich sogar aufmunterte. Somit schaute ich lächelnd rüber zu Valentin, während ich schweren Herzens feststellen musste, wie unglaublich attraktiv er geworden war. Er hatte seine langen blonden Haare stets beibehalten und seine Statur hatte sich auch kaum verändert, selbst wenn er nun nicht mehr so gebrechlich war wie noch als Kind. Am liebsten hätte ich ihm meine Meinung hinsichtlich seines Aussehens direkt vorgehalten, jedoch verbat ich es mir und schwieg stattdessen, während ich in seine Richtung marschierte, weil ich nicht so blöd in der Gegend herumstehen wollte, während einige von den Bediensteten sich noch mit dem Anrichten des Abendessens befassten. Ich war durch die Aufregung kaum hungrig, aber ich bekam sicherlich etwas runter. Zumindest genügend um nun niemanden zu verärgern, weil ich plötzlich nichts aß. Somit marschierte ich, nachdem Valentin zu sich gedeutet hatte, zu dem Stuhl direkt neben ihm, und ließ mich dort nieder, nachdem auch er sich hingesetzt hatte. Ich konnte vorerst gar nicht anders als ihn direkt anzuschauen. Zwar wusste ich dass er einen ziemlich guten Ruf hatte, und sein Image scheinbar eines der besten war, dennoch war es nicht selbstverständlich dass er mir einfach half. „Ich möchte mich noch einmal bei euch bedanken. Es ist nicht selbstverständlich, dass er mich einfach so mit auf dieses atemberaubend schöne Schloss nehmt“, erklärte ich ihm charmant lächelnd, während ich aus dem Augenwinkel beobachtete, wie eine der Bediensteten uns beiden Wein einschenkte. „Ich weiß gar nicht, wie ich mich jemals bei euch dafür revanchieren soll. Wahrscheinlich ist das sogar kaum möglich“, ergänzte ich meine Worte noch. „Aber falls ich irgendetwas für euch tun kann, sagt es mir einfach, und ich stehe euch stets zu Diensten“, meinte ich lächelnd. Tatsächlich würde ich alles für ihn tun, seien es irgendwelche einfachen Aufgaben oder irgendwelche härteren Arbeiten. Ich war nämlich nicht der Meinung, dass ich mich hier die nächsten tage bloß faul ausruhen musste.
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BeitragThema: Re: Lost Brother   Mo Sep 15, 2014 3:53 am

Valentin:

Nachdem ich Denis auf sein Gemach begleitet und seinen Namen in Erfahrung gebracht hatte, gab ich ihm aber den Freiraum, sich zu baden und sich trockene Kleidung anzulegen, während ich ihn davon auch nicht mehr weiter unnötig von allem abhalten wollte. Er hatte auch keine weiteren Fragen gehabt und sich somit mit den wenigen Informationen, die er bekommen hatte, zufrieden gegeben, denn falls er noch etwas wissen wollte, könne er dies sicher die Tage erfragen. Ich begab mich in der Zwischenzeit jedoch auch noch einmal auf mein Gemach und trocknete mich und meine Haare, ehe ich mir ein trockenes Hemd und eine dunkle Hose anzog. Der Grund warum ich nicht Baden ging war einfach der, dass ich Denis nicht alleine lassen wollte, am ersten Abend in so einem riesigen Schloss. Ich wollte ihm zeigen, dass ich mich seinem Problem nun angenommen hatte und auch aktiv gegen dieses vorgehen würde, sobald ich verstand, weswegen er nicht zurück zu sich wollte. Doch war mir klar, dass ich seine Familie nicht im Glauben lassen konnte, dass er verschollen war und so nahm ich mir zusätzlich noch vor, seine Familie zu benachrichtigen, ihnen zu erklären, dass sich Denis bei mir aufhielt, damit sie nicht so im Unwissen tappten, wie ich. Denn ich hatte damals jegliche Teile des Dorfes abgesucht und war krank vor Sorgen gewesen, was ich mittlerweile unter Kontrolle bekommen hatte.
Mit trockenen Klamotten und dennoch frierend begab ich mich hinunter in den Speisesaal, in dem ich mich kurz mit Noah unterhielt, diesem aber direkt eine Aufgabe erteilte, die ihn vom Speisesaal fernhielt. Nicht weil ich ihn nicht mochte oder ähnliches, sondern weil ich das Gefühl hatte, dass es nicht besonders schlau war, wenn ich mit Denis über Konflikte reden wollte. Noah ging auch direkt ohne Proteste los, um noch einige Briefe für mich zu verfassen, von denen ich ihm sagte, dass ich dafür zu müde sei und sie trotzdem dringend verschickt werden mussten, was nicht einmal gelogen war. Oft kamen solche Dinge einfach zu kurz, auf Grund der Hilfestellungen die ich im Dorf gab.
„Aber falls ich irgendetwas für euch tun kann, sagt es mir einfach, und ich stehe euch stets zu Diensten.“ Ich lächelte freundlich, während ich Denis ein wenig musterte und ein wenig auf meinem Stuhl hin und her rutschte. „Ich verlange nicht von euch, dass ihr euch revanchiert oder gar für mich arbeitet. Ihr seid nun ein paar Tage hier und diese könnt ihr euch von all dem Schaffen ausruhen, immerhin saht ihr vorhin nicht allzu fit aus.“, begann ich und hob das Glas mit Wein an, ehe ich dieses an meine Lippen führte und einen Schluck von dem süßlichen Rotwein trank. „Zusätzlich werde ich dafür sorgen, dass euch eure Arbeit erhalten bleibt, da ich euch nur so lange hier behalten kann, bis wir eine Lösung gefunden haben, die allen gefällt. Doch ist es nun mal so, dass ich euch nicht hier behalten kann, während sich eure Familie um euch sorgt, somit werde ich diesen, sobald ihr mir ihre Anschrift verratet, einen Brief zu kommen lassen, dass ihr hier seid, aber momentan niemanden sehen mögt.“ Ich atmete einmal tief durch und stellte mein Glas vor mir ab. „Das sind jedoch die formellen Dinge, um die ich mich alleine kümmern muss. Darum braucht ihr euch nicht sorgen.“, stellte ich kurz lächelnd klar, bevor ich mir einmal durchs Haar fuhr. Derweil war auch das Essen fertig angerichtet und ich sah beinahe schon ein wenig fordernd zu Denis. „Ihr könnt nun gerne etwas essen, was nach so einem ermüdenden Tag sicherlich gut tut. Wo arbeitet ihr denn eigentlich?“ (Smalltalk, einfach weil wir das heute in Englisch hatten, wie man jemanden kennenlernt und sowas)
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BeitragThema: Re: Lost Brother   Mo Sep 15, 2014 3:54 am

Denis:

„Ich schätze dass ich euch hinsichtlich eines Briefes leider enttäuschen muss“, erklärte ich ihm letzten Endes auf seine Worte, da er davon sprach dass er meiner Familie einen Brief zukommen lassen wollte. Ich wusste nicht ob unsere Eltern noch am Leben waren, allerdings hoffte ich für sie beide das Gegenteil. Wobei ich mich eigentlich gar nicht weiter darüber aufregen konnte. Denn Valentin war zu einem nahezu perfekten Mann herangewachsen und es gab nichts worüber ich mich beklagen müsste. Trotzdem hieß das nicht gleich, dass die beiden keine Rache für ihre dummen Pläne mir gegenüber verdient hätten. Diese Gedanken verbannte ich jedoch recht schnell wieder aus meinem Kopf, schaute stattdessen kurz zu Valentin und versuchte einfach das Verlangen danach, ihm weitere Hinweise auf meine Eltern zu geben, so schnell es nur ging zu unterdrücken. Er mochte von selbst in den nächsten Tagen nicht darauf kommen, wobei ich mich gar nicht auf die kommende Zeit festlegen wollte. Ich war mir nicht sicher was passieren würde solange ich hier war, aber ich war fest davon überzeugt, dass ich jede Sekunde nutzen würde, um meinen Bruder nach zehn Jahren kennenzulernen. „Ich wohne nicht mehr bei meinen Eltern. Ich bin ausgezogen als ich Volljährig war“, log ich dann doch ziemlich angespannt, während ich nach dem Glas mit dem Rotwein griff, mich aber stets damit befasste in meinem Kopf diese Lüge zu durchdenken. „Kurz darauf habe ich dann meine Arbeit auf den Feldern in der Nähe des Marktes angenommen, die ich auch heute stets noch besitze“, erklärte ich dann, womit ich aber eher weniger log. Schließlich arbeitete ich schon ewig dort und war auch eigentlich kaum gewillt, diese Arbeitsstelle einfach aus dem Nichts aufzugeben. Schließlich hatte ich nichts als das, auch wenn es mir häufig wirklich zu anstrengend wurde. Mein Körper war darauf getrimmt den ganzen Tag schuften zu müssen, aber es war einfach nur noch unangenehm jeden Tag so hart zu arbeiten. „Also könntet ihr das mit dem Brief schon einmal streichen. Falls ihr dennoch an jemanden schreiben wollt, könnt ihr einer guten Freundin von mir schreiben, bei welcher ich schon seit einer ganzen zeit lebe“, stellte ich dann klar, ehe ich das Glas Rotwein an meine Lippen hob und einen Schluck nahm, es hinterher aber direkt wieder auf dem Tisch platzierte und Valentin einen Moment lang schweigend musterte. Es war unangenehm hier zu sitzen und nichts tun zu können, weil ich einfach absolut keine Wahl hatte. Ich musste mich zusammenreißen und nichts überstürzen, und das forderte meine gesamte Beherrschung. Trotzdem gab ich mir sämtliche Mühe, versuchte aber vorsichtig mich zumindest an seine Worte zu tasten. „Ihr spracht vorhin sehr bedrückt von Verlusten“, begann ich ruhig, während mein Blick in seinen schönen Augen lag. „Darf ich fragen, wen ihr verloren habt, dass ihr euch so darum kümmert, dass ich die Menschen um mich herum nicht vernachlässige?“ Tatsächlich würde ich mit solch einer Kleinigkeit weiter vorankommen. Ich musste nicht direkt alles von ihm erfahren, das Ganze hier hatte Zeit, die ich mir stets nehmen wollte. Solange ich die Möglichkeit hatte, Dinge in Erfahrung zu bringen, wollte ich diese auch nutzen. Und wenn ich jetzt vorsichtig damit begann, würde ich umso früher erfahren, wie Valentin über seinen Bruder dachte. Über mich, Chase. Chase, Denis Hartwig.
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BeitragThema: Re: Lost Brother   Mo Sep 15, 2014 4:34 am

Valentin:

„Sagt Vater, dass ich weder zum Essen, noch zum Ball erscheinen will.“, brummte ich missmutig und vergrub meinen Kopf in meinem Kissen, um die Bedienstete im Zimmer nicht ansehen zu müssen und ihrem mitleidigem Blick ausweichen zu können. „Aber kleiner Prinz, euer Vater wird nicht erfreut darüber sein, wenn ihr nicht zum Essen erscheint.“, gab sie mir zurück und die Unbeholfenheit, die in ihrer Stimme mitschwang, zeigte mir die Angst vor der Reaktion meines Vaters auf diese Worte hinweg. „Dann sagt ihm, dass ich nichts Essen will und nicht an solchen Veranstaltungen teilnehme, bis mein Bruder wieder zurückgekehrt ist.“ Meine Stimme war mehr ein Gemurmel, trotz klarer Worte, die ich in mein Kissen sprach. Ich kam mir selbst vollkommen kindisch rüber, doch wusste ich mir anders kaum mehr zu helfen. Ich war so unendlich traurig, seid mein Bruder verschwunden war und das war gerade mal drei Tage her. Ich hatte kaum geschlafen, hatte versucht Chase ausfindig zu machen und wieder nachhause zu bringen, jedoch erfolglos. All die Menschen, die mir begegneten, drückten ihr Mitgefühl aus, weil ich so ein niedergeschlagenes Gesicht machte und ich wollte gar nicht mehr hören, wie leid ihnen ich und vor allem das Geschehen tat. Das machte schließlich überhaupt nichts besser. Das Einzige, das meine Laune heben würde, wäre meinen großen Bruder wieder an meiner Seite zu haben.“So wie es aussieht, wird dies jedoch nicht der Fall sein. Ihr könnt euch doch nicht ewig sträuben und hier verhungern.“ Ich lächelte in mein Kissen hinein. Glaubte sie tatsächlich, dass mich dieser erbärmliche Versuch meine Theorie zu kontern, tatsächlich davon abhielt, durchzuziehen, was ich vorhatte. Vielleicht kam Chase zurück, wenn er erfuhr, wie dreckig es mir ging. Immerhin hatte er behauptet, er wäre immer für mich da, wenn ich ihn bräuchte. „Ich kann aber hungern, bis ich meine Suche aufgebe.“, erklärte ich ihr dann und drehte mich nun endlich mal zu ihr, sodass ich sie lächelnd ansah. „Und nun geht und sagt meinem Vater Bescheid, er mag es schließlich nicht warten gelassen zu werden.“

„Ich weiß, dass dieser Kuss sich von den anderen unterschieden hat. Er war inniger, nicht auf Abstand gehalten, wie all die Gute-Nacht-Küsse. Ich weiß auch, dass er ernst gemeint hat, dass er mich liebt. Wirklich liebt. Aber wieso ist er gegangen? Natürlich hat er sich, höflich wie er ist, von mir verabschiedet. Aber wieso hat er gelogen als ich fragte, ob er vorhabe zu gehen? Wieso behauptete er, er würde immer da sein, wenn ich ihn brauche. Ich brauche ihn momentan, aber er ist nicht da. Ich weiß nicht, was ich von all dem halten soll, aber eins weiß ich: Mit seiner Flucht von Zuhause, hat er mein Herz mit sich genommen. Ich fühle mich so leer, ohne ihn. Doch ich werde die Suche nicht aufgeben. Die Suche nach meinem großen Bruder, den ich über alles liebe.“

Ich erkannte langsam, wie hoffnungslos all das Suchen war und wie erbärmlich die Versuche waren, den Aufenthaltsort meines Bruders zu finden. Ich hatte jeden Zentimeter des Dorfes abgesucht und dennoch nicht gefunden. Auch heute hatte ich den Tag damit verbracht Chase zu suchen. Er war bestimmt in ein anderes Land geflohen, um sicher zu stellen, dass ich ihn nicht fand. Vollkommen fertig ließ ich mich an einer der Mauern in einer dunklen Gasse nieder und vergrub meinen Kopf in den Händen. Ich ertrug den Verlust meines Bruders nicht. Ertrug nicht, dass er mich zurückgelassen hatte. Wieso ging er, wenn er mich liebte, was ich nicht einmal anzweifeln wollte? Es war nicht sonderlich klug, am helllichten Tage in einer Gasse zusammen zu sacken und seiner Trauer nachzugeben, vor allem nicht als Thronfolger, doch konnte ich gar nicht mehr anders. All die Sorgen und Gedanken der letzten Monate stiegen plötzlich in mir auf und machten die ganze Situation noch unangenehmer. Schluchzend und ziemlich zusammengekauert, während mir die Tränen nur so von den Wangen liefen. Ich dachte gar nicht daran aufzuhören. Wie sollte ich es ohne meinen Bruder aushalten? Wie sollte ich ohne ihn stark bleiben? „Ist.. Ist alles in Ordnung?“ Ich erstarrte bei der Stimme, die ich neben mir vernahm, da ich nicht damit gerechnet hatte, dass mich wer fand. Mit total roten Augen und angeschwollenen Wangen blickte ich zu dem Jungen hinauf, welcher vor mir stand und mich besorgt musterte. Immerhin hatte ich aufgehört zu weinen. „Ja.. Alles bestens.“, gab ich bloß murmelnd zurück und wischte mir mit dem Handrücken über die Wangen, um die letzten Tränen von diesen zu entfernen. Ich wusste, dass ich selbst ziemlich dumm dastand, da es offensichtlich war, wie schlecht es mir ging. „Ich bin Noah.“, erklärte der Junge mit den hellbraunen Haaren und wagte es gar nicht nachzufragen, warum es mir so schlecht ging. „Ich heiße Valentin.“ „Willst du Fangen spielen? Danach geht es dir bestimmt besser.“ Ich lächelte leicht, alleine weil er auf all die höflichen Ansprachen verzichtete. Ich durfte als Prinz nicht Fangen spielen und musste mich eigentlich der königlichen und angemessenen Lebensweise fügen. Doch hatte ich heute nicht vor Prinz zu sein. Ich wollte nur, dass es weniger schmerzte, dass mein Bruder gegangen war und wirklich nicht wieder zu kommen schien. Somit nickte ich. „Du bist dran.“, stellte ich klar, bevor ich anfing wegzulaufen, sodass Noah mich nicht fangen konnte. (Nur die Geschichte, wie sie sich kennengelernt haben. Sie sind nur die besten Freunde. Nicht mehr. Vielleicht steht Noah auf Valentin, aber mehr auch nicht. Für Denis keinen Grund eifersüchtig zu sein. :p)

Es verwunderte mich schon ein wenig, dass er mir erklärte, dass ich bloß einer guten Freundin schreiben sollte, da er keinen Kontakt zu seiner Familie hatte, als er mit achtzehn ausgezogen war. Zugern hätte ich seine Beweggründe hinterfragt, weshalb er keinen Kontakt mehr zu ihnen hatte, doch hielt ich mich zurück und hatte nicht vor ihm einen unangenehmen Verhör zu unterziehen. Ich wollte ihn kennen lernen, wollte mehr über ihn erfahren, aber ihm auch gleichzeitig die Chance geben, etwas über mich zu erfahren, wenn er schon die nächsten Tage hier bei mir verbringen würde. „Darf ich fragen, wen ihr verloren habt, dass ihr euch so darum kümmert, dass ich die Menschen um mich herum nicht vernachlässige?“ Schon als er begonnen hatte über meine vorherige Reaktion über Verluste zu sprechen, wusste ich, dass diese Frage kommen würde. Mein Kopf wollte mich erst dazu zwingen, diese Frage zu verdrängen und einfach das Thema zu wechseln, doch hatte ich mir vorgenommen, ihm ebenfalls Fragen zu beantworten. Und wenn dies eine seiner Fragen war, würde ich sie beantworten. Er würde es sicherlich nicht nachvollziehen können und eigentlich ging es ihn auch überhaupt nichts an, doch wollte ich ihm irgendwie vermitteln, dass er sich mir auch anvertrauen konnte. „Ich wollte gar nicht so bedrückt wirken.“, gestand ich lächelnd und scheiterte erneut daran, locker zu wirken, was dieses Thema betraf. „Vor zehn Jahren ist mein Bruder von hier weggelaufen und ich verkrafte das bis heute nicht. Er ist nie zurückgekehrt und ich weiß wie dumm das klingen mag, doch tut es mir mehr weh, zu wissen, dass er mittlerweile bestimmt irgendwo glücklich mit einer Frau und zwei Kindern lebt und sich nicht um mich kümmert, als wenn ich wüsste, dass er gestorben wäre, aber dann wenigstens im Wissen, wie er über mich dachte und weshalb er gegangen war.“ Ein schmerzliches Lächeln schlich sich auf meine Lippen. „Das ist für euch jedoch unwichtig und euch bringen diese Informationen vermutlich nichts. Ebenso ist es auch für mich besser, wenn wir das dabei belassen.“, murmelte ich dann etwas leiser und blickte hinab in mein Weinglas. „Ich bin einfach nicht so gut auf dieses Thema zu sprechen.“, gestand ich. „Verzeiht.“
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Yuna
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BeitragThema: Re: Lost Brother   Mo Sep 15, 2014 6:01 am

Denis:

Als er mir erzählte wonach ich verlangt hatte, blieb für einige Augenblicke mein Herz stehen. Damit bestätigte sich jedoch, dass Vater und Mutter ihm nie die Beweggründe genannt haben, nicht einmal, als Valentin letzten Endes den Thron eingenommen, und ihnen damit einen Herzenswunsch erfüllt hatte. Es schmerzte mich unglaublich, zu wissen, dass er darauf gehofft hatte, dass ich irgendwann zu ihm zurückkommen würde. Ich hatte mich nie gewagt ihm jemals wieder unter die Augen zu treten, nachdem ich ihn so miserabel verabschiedet hatte. Ich hatte den innigen Kuss keinesfalls für falsch empfunden, aber ich fühlte mich über die Jahre nur noch schuldiger als ohnehin schon. Ich hätte es irgendwie verhindern können, dass mein Vater mich so dringend loswerden wollte. Und dafür hätte ich jeden nur erdenklichen, noch so abtrünnigen Weg eingeschlagen. Denn meinen Bruder alleine zu lassen, war eine Entscheidung, die ich alleine niemals getroffen hätte. Der Wille ihn zu verlassen wäre niemals da gewesen, und somit beruhte alles stetig auf Zwang. Er wusste von absolut nichts, er kannte die Wahrheit nicht und er wusste nicht mal seinen richtigen Namen. „Ich bin mir sicher dass er seine Gründe gehabt hatte. Niemand rennt einfach weg und kommt nicht mehr wieder, wenn es nicht etwas gibt, das ihn dazu treibt“, versuchte ich ihm relativ ruhig zu erklären, während ich ihn jedoch nicht anschaute. Es fiel mir sichtlich schwer überhaupt noch neben ihm zu sitzen, während ich die Möglichkeit hatte, ihm nun zu sagen wer ich war. Ich hatte gelernt wie man schwieg, aber momentan war es mir kaum noch möglich. Ihn so geknickt zu sehen tat mir nämlich nur mehr weh, als die Tatsache, dass er mich immer noch nicht vergessen hatte. Ich hatte zwar nicht darauf gehofft, dass er irgendwann jemanden fand, den er mehr liebte als er mich geliebt hatte. Aber es wäre für ihn sicherlich vom Vorteil gewesen, mich einfach irgendwie dank einiger anderer Menschen zu verdrängen. „Ich glaube dass euer Bruder sich bewusst darüber gewesen ist, wie ihr enden werdet. Dass ihr nicht glücklich darüber sein werdet, wenn er erst einmal verschwunden ist“, murmelte ich noch unzufrieden, bevor ich kurz tief durchatmete und dann zu Valentin schaute. Ich hatte kaum etwas gegessen, aber es reichte um niemanden zu erzürnen. Ich konnte hier nicht weiter rumsitzen, während ich mit der gesamten Wahrheit zu kämpfen hatte. „Ich sollte mich da jedoch nicht einmischen“, meinte ich etwas entschuldigend, während ich mir durch meine Haare fuhr und mich von dem Stuhl erhob. Er folgte mir mit seinem Blick, was mich aber kaum beunruhigte. „Ich bin sehr erschöpft, und ich denke ich sollte mich für heute eventuell doch erst einmal schlafen legen. Zumal ich euch und eure Vergangenheit nicht weiter hinterfragen möchte“, stellte ich ernst klar, ehe ich mir ein Lächeln auf die Lippen zauberte. „Danke“, meinte ich noch ruhig, bevor ich mich kurz nach den Wachen umsah, die schon bereit standen um mich zu meinem Gemach zu begleiten. Jedoch nickte ich nur ab, und begab mich ohne weitere Worte alleine die Treppen herauf zu dem Flur, auf welchem die Gemächer lagen. Jedoch war ich keinesfalls der Meinung, dass ich nun direkt auf das gehen sollte, welchem Valentin mich unterwiesen hatte. Trotz seiner deutlichen Worte gegenüber mir, konnte ich gar nicht anders. Und binnen weniger Sekunden fand ich mich auch schon an der Tür wieder, wo mein ehemaliges Gemach lag. Während mein Herz so schnell wie noch nie klopfte, machte mir mein schwerer Atmen zu schaffen. Einerseits machte ich mir Sorgen darum, dass Valentin hier aufkreuzen würde, wovon ich stark ausging. Trotzdem gab es in diesem Zimmer etwas, was mir schwer am Herzen lag. Denn ich wusste mittlerweile dass Valentin es nicht gefunden haben konnte. Es war ein Schmuckstück, ein sehr kostbares sogar. Und hätte er es gefunden, wäre ihm die beigelegte Nachricht aufgefallen. Jedoch trug er weder dieses Schmuckstück, noch schien er den Brief zu kennen, in welchem einige wichtige Dinge standen. Ich konnte diese kleine Aufmerksamkeit nicht unbemerkt an mich reißen, und das war mir auch schnell bewusst geworden. Trotzdem betrat ich nach langem Überlegen mein ehemaliges Gemach, drückte die Tür nur langsam hinter mir zu und blieb für einen Moment einfach nur direkt an dieser stehen, während ich mich umschaute. Auch hier blieb der Schmerz nicht aus. Mir schossen die Bilder längst vergangener Tage durch den Kopf, die mich nur an die gemeinsame Zeit mit Valentin erinnerten. Er war so unschuldig und liebenswert gewesen, und ich wusste dass er es heute noch immer sein musste. Zumindest Zweiteres hielt ich nach einigen Stunden für sehr wahrscheinlich. Ich war mir nicht sicher ob er bis heute irgendeine Beziehung geführt und seine Unschuld mittlerweile verloren hatte. Aber im tiefsten Inneren hoffte ich darauf, dass es keinesfalls der Fall war. Es klang für mich somit nicht einmal absurd, dass ich der Mann sein wollte, der ihm letzten Endes die Unschuld nahm. Ich hatte schon immer diese eine Person sein wollen, und das hatte sich trotz vergangener zehn Jahre nicht geändert.
„Ich gehe nicht, um dir zu schaden. Ich gehe, damit ich es nicht tue. Mutter und Vater sind nicht zufrieden mit mir, und ich bin gegangen, weil sie es von mir wollten. Im Grunde genommen war der Kuss somit der Abschied von dir, was du dir sicherlich denken kannst. Damit wollte ich dich keinesfalls verletzen. Nur was hätte ich tun sollen? Ich konnte mich nicht von dir verabschieden und dir die ganze Wahrheit erzählen. Dazu gehört auch mein Name. Ich heiße nicht Chase. Ich heiße so, damit keiner dir Hilfestellung beim Suchen geben kann. Du suchst weit und breit nach einem Chase Hartwig, der gar nicht existiert. Der Plan unserer Eltern war perfekt. Denn seit deiner Geburt heiße ich so, und bis heute kennst du meinen richtigen Namen nicht. Du hast mich die ganze Zeit über mit falschem Namen gesucht, und hast nicht einen Hinweis auf meinen Aufenthalt gefunden. Es tut mir leid“, las ich ziemlich in Gedanken vertieft, bevor ich auf die Schatulle starrte, die noch in der Schublade lag. Der Brief war noch nicht zu Ende, aber ich wollte wissen ob der Ring tatsächlich noch darin war. Und wie sich herausstellte, hatte Valentin ihn nach den ganzen Jahren tatsächlich nicht gefunden. Es machte mich sogar ein wenig unglücklich. Er hatte nie davon erfahren, wie es wirklich ausgesehen hatte. Ich hatte ihn persönlich aufklären wollen, aber ich wusste dass mir die Möglichkeiten fehlten. Nun wo er den Brief aber wirklich nicht gefunden hatte, war mir klar, wie schwer es für ihn tatsächlich gewesen sein musste. „Ich habe dir gesagt, dass ich bei dir sein werde, sobald du mich brauchst. Ich konnte es nie sein. Nur in Gedanken war ich bei dir, und habe versucht, dir irgendwie zu helfen. Es ist schwer auf Distanz, und ich wünschte mir sie würde einfach nicht existieren. Aber es ist besser so. Denn du wirst bald König sein, und da brauchst du kein schlechtes Image. Mutter und Vater wussten, wie es um mich stand. Sie wussten dass ich dich mehr geliebt habe, als ich es eigentlich durfte. Und diese Liebe zu dir wird auch niemals erlöschen. Ich möchte, dass du dir das merkst. Halt an unserer gemeinsamen Zeit fest, solange es dir und deinem Herzen möglich ist. Und rede dir niemals ein, dass ich gegangen bin, um dir Leid zuzufügen. Ich würde dir niemals weh tun wollen, und wäre dazu auch gar nicht fähig. Ich könnte niemals den Menschen verletzen, dem ich mein Herz schon vor einer Ewigkeit geschenkt habe. Wenn ich dich eines Tages wiedersehe, zögere nicht, mir zu sagen, wie wütend du auf mich bist. Aber rechne damit, dass ich dir sagen werde, wie sehr du mir gefehlt hast, und wie sehr ich dich liebe.“ Angespannt wandte ich meinen Blick kurz von dem Brief ab, während ich die Schatulle geschickt wieder schloss, nachdem ich den Ring gemustert, und auch auf den an meiner linken Hand gesehen hatte. Es hatte mich damals ein Vermögen gekostet, und somit auch ewig gedauert, bis ich ihn hatte anfertigen lassen können. Schon aufgrund dieser Tatsache, sollte Valentin diesen Ring tragen. Und ich würde schweren Herzens dafür sorgen, dass er das schon bald tat. „Sei nicht traurig darüber dass ich weg bin. Sieh der Zukunft entgegen und freue dich auf ein Wiedersehen. Ich werde dich immer erkennen, das verspreche ich dir hoch und heilig. Denn deine grünen Augen hat weit und breit keiner auf dieser Welt. Und sobald ich wieder bei dir bin, weiche ich niemals wieder von deiner Seite. Ich liebe dich, mein kleiner Bruder, und ich werde es auf ewig tun.“ Mittlerweile war mir kalt geworden. Es gab so viele Dinge die in diesem Brief standen, die noch heute wahr waren. Eigentlich war es alles was darin stand. Denn ich hatte immer auf ein Wiedersehen gehofft, und ich hatte ihn durch seine grünen Augen und seine Mimik erkannt. Trotzdem war ich nicht da gewesen, als er mich gebraucht hatte. Und nun wo ich hier war, wusste er es nicht einmal. Mir war nicht klar, wie lange es noch so bleiben würde. Denn ich würde ihm sowohl von der Schatulle mit dem Ring, als auch dem Brief von mir erzählen. Nachdem ich mich für mein Vergehen entschuldigt hatte. Denn Chases Gemach hatte ich nicht betreten dürfen. Mein eigenes. Chases, Denis Hartwigs Gemach.
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Clarity
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BeitragThema: Re: Lost Brother   Di Sep 16, 2014 5:01 am

Valentin:

Es hätte mich tatsächlich verwundert, dass Denis so schnell umlenkte und erklärte, dass er auf sein Zimmer gehen wollte. Doch hatte ich ihn gehen gelassen und mich noch mit dem Glas Wein vor mir beschäftigt, dieses auch noch gelehrt. Hunger hatte ich nicht und war auch gar nicht gewillt nun etwas zu essen. Irgendetwas stimmte doch nicht, wenn Denis einfach ging, während er vorher an einem Gespräch interessiert schien. Somit hatte ich mich, nachdem ich das leere Glas vor mir auf den Tisch gestellt hatte, auch von meinem Stuhl erhoben und meinen Bediensteten erklärt, dass sie ruhig schon abräumen konnten, da ich nichts mehr aß. Mit diesem „Befehl“ hatte ich mich auch aus dem Speisesaal zurück gezogen und war die Treppen hinauf gegangen um Denis in seinem Zimmer einen Besuch abzustatten. Vielleicht ging es ihm nicht gut? Ich wollte nach ihm sehen, da ich auch die Verantwortung für ihn übernommen hatte. Aber vielleicht schlief er tatsächlich bereits? In der ersten Etage war ich den Gang recht schnell hinab gelaufen, hinüber zu der Türe von Denis Gemach. Nachdem ich geklopft aber keine Antwort bekommen hatte, drückte ich die Klinke leise runter, aus Angst ihn zu wecken, wenn er schlief. Doch als ich die Türe geöffnet hatte, erblickte ich Denis nicht in seinem Zimmer. Er lag weder im Bett, noch war er woanders aufzufinden und mir wurde bewusst, wo er sich sonst nur aufhalten konnte. Sofort bemerkte ich ein unwohles Gefühl gemischt mit Wut, welches sich in meinem Körper breit machte. Ich hatte ihm deutlich gesagt, dass er bei Chase im Zimmer nichts zu suchen hatte. Dass er aber genau das tat, wurde mir klar, als ich das Zimmer betreten hatte und sah, dass er einen Brief, sowie eine kleine Schatulle in der Hand hielt. Waren diese Gegenstände etwa von meinem Bruder? „Ich hatte euch doch bereits gesagt, dass ihr diesen Raum nicht betreten und schon gar nichts anfassen sollt.“, brummte ich ein wenig gereizt, während ich mich kurz in dem Raum umsah, jedoch direkt einen Stich in meinem Herzen verspürte. Hier sah immer noch alles aus, wie Chase es hinterlassen hatte, was mir unglaublich weh tat. Ich vermisste meinen Bruder immer noch, selbst wenn ich mittlerweile die Hoffnung auf seine Rückkehr aufgegeben hatte. „Wieso habt ihr dieses Zimmer trotzdem betreten?“ Meiner Meinung nach, hatte er keine Gründe gehabt, in dieses Zimmer zu gehen und die privaten Dinge von Chase anzusehen und anzufassen. Erst recht nicht, nachdem ich es ihm ausdrücklich verboten hatte. Und ich würde es vermutlich nicht ungestraft lassen, wenn er mir nicht gute Gründe nennen konnte, denn was meinen Bruder anging, war ich ziemlich schnell reizbar und verletzlich.
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Yuna
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BeitragThema: Re: Lost Brother   Di Sep 16, 2014 5:34 am

Denis:

Wie bereits von mir erwartet erschien Valentin nach geraumer Zeit in dem Gemach seines Bruders, und das mit einer unangenehmen Laune. Ich wusste dass er nur gereizt war weil ich sein Verbot einfach missachtet hatte, und mich nun ohne Befugnis einfach hier aufhielt. Zudem hatte ich sogar einen Brief und diese Schatulle in der Hand, von welcher er einfach nichts wusste und somit auch gar nicht darauf anging. Ihm schien wichtig zu sein dass ich ihm nun bloß keine falsche Antwort gab, und darum wollte ich mich auch bemühen. Es war nicht meine Absicht ihn nun noch weiter zu reizen, und auch mein Spiel wollte ich nun langsam mal abschließen. Zwar war noch nicht der richtige Zeitpunkt, aber gab ich nun nicht nach, würde er mich für das Betreten meines eigenen Gemaches einen Kopf kürzer machen. Immerhin war ich für ihn nur irgendein Dorfbursche der seine Befehle missachtet hatte. Ich wollte mich vor ihm nicht zutiefst rechtfertigen, und keinesfalls versuchen ihn irgendwie auf meine Seite zu ziehen. Ich wollte einfach nur ehrlich zu ihm sein, und deswegen ging ich rüber zur Tür die noch offen stand, bevor ich sie schloss und daraufhin einige Momente einfach mit gesenktem Kopf dort stehen blieb. Ich stand mit dem Rücken zu Valentin und dachte noch einmal darüber nach, wie schlau es sein würde, ihm nun die Wahrheit zumindest teilweise beizubringen. Er sollte wenigstens erfahren dass ich sein Bruder war, nicht jedoch direkt weshalb ich abgehauen war. Den Brief sollte er sich später durchlesen, ich würde ihm nur grob erklären was darin stand, und weshalb ich den Ring hatte anfertigen lassen. Somit atmete ich tief durch und drehte mich zu Valentin um, bevor ich einige Schritte in seine Richtung machte. Jedoch schaute ich kurz an ihm vorbei aus dem Fenster, wo ich außer der Dunkelheit und dem grellen Mond jedoch nichts erkennen konnte. Deswegen senkte ich meinen Blick letzten Endes in seine Augen, während ich den Brief geschickt zusammenfaltete um ihn diesen zu übergeben. Er nahm ihn nur ziemlich zögerlich an, öffnete ihn jedoch auch nicht direkt, sondern erwiderte meinen Blick noch immer gereizt. Ich wusste dass er die Schatulle auch noch haben wollte, jedoch war ich damit nicht ganz zufrieden. Denn nachdem er den Brief in seine Hosentasche geschoben hatte, öffnete ich die Schatulle und nahm den Ring vorsichtig aus dieser, bevor ich sie auf dem kleinen Schrank neben uns abstellte. Dann widmete ich mich aber wieder Valentin, wessen rechte Hand ich ergriff, bevor ich mit meiner linken vorsichtig den Ring auf seinen Ringfinger schob, ihm dabei jedoch nicht in die Augen, sondern eher auf die beiden Ringe schaute. Ich ruhte in dieser Haltung auch einige Sekunden, damit er sich die Ringe genau ansehen, und erkennen konnte, dass sie mehr als nur identisch waren. Es war nicht so leicht ihn nun davon zu überzeugen, selbst wenn der Ring ihm einiges erklären konnte. Trotzdem war das nicht alles gewesen. Ich blickte rauf in seine Augen, nachdem ich seine Hand schweren Herzens wieder losgelassen hatte, und atmete noch einmal tief durch. Entweder ich verlor nun alles wofür ich bis heute gelebt hatte, oder ich ließ mir einen letzten Funken Hoffnung geben. „Weil es mein Zimmer ist“, erklärte ich ihm ziemlich ruhig, während ich meinen Blick stets nicht abwendete. Jedoch stoppte ich einfach für den Augenblick und sprach nicht, sondern musterte ihn einfach nur. Er schien nach meiner Aussage nicht sonderlich viel sagen zu können, und ich war nicht fähig seine Stimmung einzuschätzen. Entweder er war mittlerweile mehr als nur gereizt, oder er war enttäuscht wie nie zuvor. Jedoch konnte ich nicht zaubern, und mir auch nicht wünschen dass einfach alles gut wurde. Ich hatte nie darüber nachgedacht wie es sein würde, wenn ich einmal vor ihm stünde. Somit musste ich nun das Beste draus machen, und das ließ ich mir auch nicht nehmen. Denn dieser Mann bedeutete mir mein gesamtes Leben. Nachdem Vater mich losgeworden war, hatte ich mehr als nur zwei Wochen auf der Straße gelebt. Wie ich überlebt hatte, war mir bis heute nicht klar. Ich hatte in dieser Zeit so gut wie nichts gegessen und war durchgehend erkältet gewesen, ich wäre dort beinahe verreckt ohne dass es jemanden gekümmert hatte, bis ich zu Sam und den anderen gekommen war. Und nun stand ich hier vor meinem Bruder, in seinem Schloss und meinem alten Gemach. Der Traum den ich hatte wurde jedoch nur wahr, sobald er mich akzeptierte. Wenn er meine Beweggründe verstand und mich nicht dafür zu hassen begann, dass ich in den schweren Zeiten nicht bei ihm gewesen war. Ich hatte mich nicht blicken lassen dürfen, und das musste ich ihm zu verstehen geben, ganz gleich wie schwer es auch werden würde. „Es tut mir leid“, meinte ich mit beinahe schon zitternder, jedoch noch immer ruhiger, fast schon raunender Stimme. „Es tut mir leid, dass ich dich alleine gelassen habe, und niemals zu dir zurückgekommen bin. Dass ich nicht da war, als du mich in deiner Nähe gebraucht hast. Dass ich der Grund dafür war, dass du dich abends in den Schlaf weinen musstest.“ Ich stoppte kurz, bevor ich meinen Blick kurz senkte, was Valentin mir sogar gleich tat. Ich legte zwei Finger unter sein Kinn und drückte seinen Kopf dadurch wieder sanft hoch, weil ich wollte, dass er mir weiterhin in die Augen schaute. Es würde leichter zu verstehen sein, wenn er nicht versuchte es direkt wieder zu verdrängen, sondern die Sachen auch so aufnahm, wie ich sie nun von mir gab. „Ich habe mich nicht in deiner Nähe blicken lassen dürfen, so sehr ich es mir auch gewünscht habe. Und das war auch der Grund dafür, dass ich dir nicht gesagt habe, wer ich bin. Dass ich seit unserem Treffen heute versucht habe, zu verstecken dass ich dein Bruder bin. Du hast ewig nach Chase gesucht“, erklärte ich betrübt. „Chase Hartwig, dem Bruder des Königs. Du hast ihn niemals gefunden, und nun kennst du auch den Grund dafür. Ich heiße nicht Chase“, meinte ich ruhig. „Ich heiße Denis. Denis Hartwig. Und trotz dieses Namens bin ich kein anderer Mensch.“ Ich stoppte und nahm meine Finger von seinem Kinn, griff dafür nach der Hand an dem ich ihm den Ring angesteckt hatte, und sah kurz auf diesen, während ich die Hand stets festhielt. Dann jedoch hob ich meinen Blick wieder in seine Augen. „Ich habe ihn dir anfertigen lassen, noch bevor ich dich vor zehn Jahren verlassen musste. Das steht alles in dem Brief, den du niemals gefunden hast, weil du mein Zimmer nicht verwüsten wolltest. Ich wollte, dass du wenigstens eine Erinnerung an mich hast. Nicht nur den Kuss, der mir nur noch verdeutlicht hat, dass ich ohne dich nicht leben kann. Ich bin immer noch der Gleiche, Valentin. Ich bin immer noch der Mann, der dich vor zehn Jahren geküsst, und dir seine Liebe gestanden hat. Und heute steht dieser Mann vor dir, und versucht dir zu erklären, dass er sich trotz seines Verschwindens nicht verändert hat. Ich habe es dir nie leicht gemacht in den vergangenen Jahren, und ich bereue es zutiefst. Aber wäre ich bei dir geblieben, säßest du nicht auf dem Thron. Und tätest du das nicht, hättest du mich heute nicht aufgefunden. Wir hätten uns niemals wiedergesehen, weil ich dich aus den Augen verloren hätte.“ Angespannt ließ ich nach diesen Worten seine Hand los, und schaute noch einmal zu Boden. Es war nicht schwer die richtigen Worte zu finden, auch nicht, sie auszusprechen. Aber es war schwer, darüber nachzudenken, ob er sie so akzeptieren würde. Ob er mir glaubte bezweifelte ich nicht einmal. Trotzdem war es einfach nicht leicht, mich in Sicherheit zu wissen. Ich konnte nicht einschätzen ob die Wut in ihm überwiegen würde, oder ob er mich irgendwie verstand. Aber ganz gleich wie er auch reagieren würde, ich gab ihm die nötige Zeit. Selbst wenn er Jahre brauchen würde um mich zu akzeptieren. Ich würde auf ihn warten, und mich auf den Tag freuen, an dem ich ihn in die Arme schließen konnte, ohne dass er ein schlechtes Gefühl dabei hatte. Denn ich liebte diesen Mann noch wie am ersten Tag, und das sollte er wissen. „Wie oft habe ich mich auf irgendwelche Veranstaltungen geschlichen, oder dich im Dorf beobachtet. Wie oft habe ich versucht einen Brief zu schreiben, den ich hinterher nur verbrannt habe?“ Ich schaute ihm wieder in die Augen, während ich schon spürte wie mir mit der Zeit immer kalter wurde. Mir war unwohl dabei, aber ich wollte ehrlich bleiben. „Ich habe die letzten zehn Jahre an dich gedacht, um dich geweint, und gehofft dich irgendwann in die Arme schließen, und dir sagen zu können, dass sich nichts verändert hat. Weder ich, noch meine Art oder gar meine Gefühle, die auf keinen Fall abgeklungen sind. Du bist der blondhaarige Junge, in den ich mich damals verliebt habe, und es bis heute nicht leugnen kann. Du bist der Bruder, den ich mir mein Leben lang gewünscht habe. Und du bist alles, was ich mir jemals erträumt habe. Ich habe viele Fehler gemacht, und ich werde mich dafür nie genug entschuldigen können. Unsere Vergangenheit haben wir miteinander nicht verbracht, aber vor uns steht noch immer die Zukunft. Die Zukunft, die ich mir ohne dich nicht vorstellen kann. Und wenn du meinst, dass es ohne mich geht, werde ich warten. Ich werde warten, bis du mir die Möglichkeit gibst, dich in meine Arme zu schließen, und dir zu sagen, dass alles gut wird. Und dann werde ich dich nie wieder verlassen. Niemals wieder, Valentin.“
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Clarity
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BeitragThema: Re: Lost Brother   Di Sep 16, 2014 6:42 am

"I'm not a stranger. I'm yours."

Valentin:

Die Wendung die hier an Ort und Stelle eintrat, machte mich vollkommen fertig. Anfangs hatte ich nur skeptisch, stets gereizt, beobachtet, wie Denis die Türe schloss und kurz nach draußen sah, ehe er mir den Brief überreichte und die Schatulle öffnete. Er nahm den Ring behutsam heraus und legte die Schatulle auf die Kommode, während ich nur stets sein Handeln beobachten konnte. Leicht schluckend betrachtete ich dann einmal den Ring, welchen er auf meinen Ringfinger schob und mir zusätzlich Zeit gab, mir den Seinen, exakt Selben anzusehen. Bei seinen Worten, blickte ich ihn überrascht an, bis ich verstand, was er mir hier zu erklären versuchte. Hier vor mir stand mein Bruder? Und ich hatte ihn nicht erkannt? Vermutlich da ich keine Erinnerung mehr an den Klang seiner Stimme gehabt hatte und er sich äußerlich unglaublich verändert hatte. Das Einzige, dass bei ihm geblieben war und mich stets an ihn erinnerte, waren seine wundervollen braunen Augen. Das mit den Ringen war für mich doch noch nicht nachzuvollziehen. Ich blickte bloß ein wenig verwirrt zu Boden. Ich hatte vorhin meinem Bruder geholfen, unbewusst und hatte ihn behandelt wie ein Fremder. Doch war er nicht genau das auch? Ich hatte ihn zehn Jahre lang nicht gesehen, da er gegangen war und wir uns aus den Augen verloren hatten. Er war mir fremd. Bei seiner Entschuldigung zog sich mein Herz noch einmal zusammen, da mir wieder bewusst wurde, wie sehr ich damals darunter gelitten hatte, dass er gegangen war. Es hatte sich bis heute auch nicht verändert und nun stand er hier vor mir und entschuldigte sich dafür, dass er sich hatte denken können, wie es mir erging? Ich wusste nicht einmal, ob mich das in irgendeiner Weise beruhigen sollte. Doch das tat es. Das tat es, weil ich glaubte, dass er unter diesem Wissen auch gelitten hatte, so wie ich es getan hatte. Denn er war immer da gewesen, wenn es mir schlecht ging und konnte es nicht ertragen, wenn ich unglücklich war. So hatte er nicht nur mir, sondern auch sich selbst geschadet, dadurch, dass er gegangen war. Als er mich dann wieder dazu zwang, ihm in die Augen zu sehen, tat ich dies noch immer stillschweigend, da ich auch nicht gewusst hätte, was ich ihm hätte sagen sollen. Somit lauschte ich bloß angespannt seinen Worten. „Ich bin immer noch der Gleiche, Valentin. Ich bin immer noch der Mann, der dich vor zehn Jahren geküsst, und dir seine Liebe gestanden hat. Und heute steht dieser Mann vor dir und versucht dir zu erklären, dass er sich trotz seines Verschwindens nicht verändert hat. Ich habe es dir nie leicht gemacht in den vergangenen Jahren und ich bereue es zutiefst. Aber wäre ich bei dir geblieben, säßest du nicht auf dem Thron. Und tätest du das nicht, hättest du mich heute nicht aufgefunden. Wir hätten uns niemals wiedergesehen, weil ich dich aus den Augen verloren hätte.“ Ich kam mit all den neuen Informationen nicht klar. Ich vernahm zwar, dass ich nie seinen wahren Namen gekannt hatte und er mir beteuerte, jedoch immer die selbe Person gewesen zu sein und dass er es stets noch war, doch ging er nicht auf einen Punkt ein, der für mich wichtig war. Vater hatte immer gesagt, dass Denis aus eigenem Willen weggelaufen war. Doch Denis erzählte mir nun, dass er gehen musste und das Verbot erteilt bekommen hatte, sich nicht in meiner Nähe aufzuhalten. Aber welche Gründe waren stark genug, um ihn von mir fern zu halten, wenn er mich doch liebte? Bei seinen weiteren Worten hatte ich weinen wollen. Er hatte mich oft gesehen und dennoch nie angesprochen. Hatte gewusst, wie schlecht es mir ging und sich dennoch nicht dazu bringen können, für mich da zu sein und nie hatte er sich gemeldet. Ich hätte wütend sein sollen und vor allem unendlich enttäuscht. Doch ich war nichts dergleichen. Ich schaffte es einfach nicht, diese Gefühle nun aufzubringen. Stattdessen bemerkte ich, wie sich Freude in meinem Körper breit machte, weil mein Bruder wieder hier war, was ich mir immer gewünscht hatte. Ich bemerkte ebenfalls Freudentränen, die sich in meine Augen kämpften. „Oh Gott, Denis. Du hättest nie gehen sollen.“, brummte ich und drückte ihn noch bevor ich begann zu weinen, an mich. Jedoch weinte ich nicht, weil ich unglücklich war. „Du hast mir gefehlt und mich mit all meinen Gefühlen zurück gelassen. Ich hoffe dafür ging es dir nicht besser.“, murmelte ich beinahe schon provokant grinsend, jedoch nicht böse, unter Tränen. Ich liebte meinen Bruder und konnte nicht fassen, dass er gerade vor mir stand. Doch es hatte alles Sinn ergeben und bei seinen Worten hatte ich meinen großen Bruder auch heraushören können. Denn niemand hatte je so mit mir gesprochen. „Aber wehe du wagst es noch einmal mich zu verlassen. Das mache ich nicht noch einmal mit. Zehn Jahre lang warst du weg und die meiste Zeit davon, habe ich dich gesucht und nie gefunden. Bitte verzeih mir, dass ich dich nicht erkannt habe, doch meine Hoffnungen, dich zu finden habe ich bereits aufgegeben.“, flüsterte ich an seine Schulter, während ich ihn stets in dieser Umarmung hielt. „Außerdem hast du dich vom äußerlichen verändert und bist noch viel attraktiver geworden.“, gab ich dann noch kleinlaut hinzu, während ich meine Hände ein wenig in sein Hemd krallte. Ich würde ihn nicht mehr gehen lassen, nie wieder. Ich war ihm nicht einmal böse, würde es auch im Nachhinein nicht sein, denn ich war viel zu froh, ihn wieder zu haben. Meinen Bruder. Den Mann, den ich liebte und dem ich mein Herz geschenkt hatte, schon vor zehn Jahren.
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BeitragThema: Re: Lost Brother   Di Sep 16, 2014 7:23 am

Denis:

Meine Erleichterung war kaum zu beschreiben, als Valentin mich plötzlich in seine Arme gezogen und mich für den Moment einfach in einer liebevollen Umarmung gehalten hatte. Ich lauschte seinen Worten teilweise ziemlich aufmerksam, andererseits aber auch in Gedanken versunken, da ich gar nicht wusste was ich zuerst tun sollte. Denn er gab mir mit dieser Reaktion außerordentlich viele Möglichkeiten, da er positiv auf meine Worte reagierte, auch wenn ich ihm noch vieles zu beichten hatte. Ich wollte ihm die Sache mit unseren Eltern erklären und ihm auch die Hintergründe für meinen richtigen Namen nennen. Es gab noch so vieles zu erklären, und dem würde ich mich annehmen sobald sich unsere Beziehung erst einmal eingependelt hatte. Auch wenn ich nicht daran glaubte, dass das noch viel länger in Anspruch nehmen würde. Denn weder er, noch ich, konnten leugnen, dass wir diese gemeinsamen Tage vermisst hatten. Er hatte mir mehr gefehlt als alles andere dieser Welt es je könnte, und ihm schien es damit nicht anders ergangen sein. Schließlich hatte ich schon früh Einfluss auf ihn gehabt, dadurch dass ich mich als sein großer Bruder stetig um ihn gekümmert hatte und für ihn da gewesen war. Unsere Eltern hatten letzten Endes also nur den Fehler bei der Erziehung gemacht. Hätten sie sich selbst um Valentin gekümmert, hätten sie mich gar nicht loswerden müssen weil ihnen das Verhältnis zwischen uns zu innig geworden war. Als Valentin sich nach einer Weile von mich gelöst hatte, und mir sagte dass ich mich äußerlich ziemlich verändert hatte, konnte ich nicht anders als ihn charmant anzulächeln, denn er hatte sich ebenfalls verändert. Er war hübscher geworden und hatte trotzdem seine langen, blonden Haare beibehalten, die ich schon immer enorm geliebt hatte. „Du bist der schönste Mann, dem ich je begegnet bin“, erklärte ich ihm zufrieden, während ich eine Hand an seine Wange legte, und ihm weiterhin in die Augen schaute. „Und ich bin in den letzten Jahren aufgrund meiner Arbeit sehr vielen Männern begegnet. Und keiner hat mich je so beeindruckt wie du.“ Ich ließ meine Hand von seiner Wange zu seinen Haaren gleiten, durch welche ich sachte strich, nachdem ich noch einen kleinen Schritt an ihn heran gemacht hatte, womit zwischen uns nun kaum noch Platz war. Ich wollt es nicht zu schnell angehen lassen, aber er sollte zumindest wissen dass ich es mehr als nur ernst meinte. Denn ich war nicht umsonst ehrlich zu ihm gewesen, und es stimmte, dass ich nach den ganzen Jahren noch immer das Gleiche für ihn empfand. Auch wenn es damals noch absurd geklungen hatte. Heute war es kein Problem mehr, zumindest nicht was das Alter anging. Dass Inzest verboten war, hatte mich schließlich noch nie geschert. Denn niemand konnte mir verbieten, meinen Bruder so zu lieben, wie er es wirklich verdient hatte. Und das auf jede mir nur erdenkliche Art und Weise. „Ich liebe dich“, meinte ich leise, lächelnd, während ich ihm wieder in die Augen schaute. „Und ich verspreche dir, dass ich dich nicht mehr verlassen werde. Trotzdem muss ich die nächsten Tage noch einmal zu Samantha. Du kennst sie, sie hat dir damals zum Geburtstag diesen großen Bären geschenkt, falls du dich erinnern kannst. Ich habe bei ihr gelebt, seitdem Vater mich rausgeschmissen und ich zwei Wochen auf der Straße gelebt habe“, fügte ich jedoch noch ein wenig ernster bei. „Es geht ihnen dort unten nicht sehr gut, und sie wohnen in einem viel zu kleinen Haus. Ich wäre dir dankbar, wenn wir ihnen unter die Arme greifen könnten. Ein größeres Haus und ein wenig Geld, dafür, dass sie sich jahrelang um mich und mein Wohlergehen gekümmert haben. Ohne sie wäre ich damals wahrscheinlich an meiner schrecklichen Erkältung und meiner Anfälligkeit für Krankheiten verreckt“, murmelte ich. „Dafür werde ich auch alles tun, was ihr von mir verlangt, meine Hoheit“, meinte ich lächelnd, während ich meine Hand in seinen Nacken gleiten ließ, und sanft über diesen strich. Ich war froh mit ihm reden zu können, und bei ihm zu sein. Und ich wusste, dass das hier der Beginn eines wunderbaren Lebens war. Denn gemeinsam mit ihm würde alles schön werden, und darauf hatte ich mich mein Leben lang gefreut. Auf meinen kleinen Bruder, der mir einfach alles bedeutete.
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BeitragThema: Re: Lost Brother   Di Sep 16, 2014 7:42 am

Valentin:

Nachdem ich mich von ihm gelöst und ihm seinen Freiraum zurück gegeben hatte, blickte ich direkt wieder hinauf in seine Augen und beobachtete ihn ein wenig. Ich konnte nicht glauben, dass er noch attraktiver hatte werden können, als ich ihn in Erinnerung hatte und das faszinierte mich so sehr, dass ich kaum mitbekam, dass er mir nun ein Kompliment machte, welches ich aber gerne annahm. Denn es tat außerordentlich gut, seine Meinung über mich zu hören, nachdem ich ihn zehn Jahre lang nicht gesehen und den Rest meiner Kindheit sowie meiner Pubertät alleine verbracht hatte, was sein Feedback nun umso wichtiger machte. Sanft lächelnd legte ich meine Hände an seine Brust, während ich es genoss, dass er mir durch die Haare fuhr. Ich hatte es damals schon immer geliebt, wenn er dies getan hatte und auch nun liebte ich diese Zärtlichkeit seitens meines Bruders. Vermutlich würden es andere Leute als krank betiteln, dass wir uns als Brüder so sehr liebten, doch empfand ich es keinesfalls als falsch. Mein Herz machte einen kleinen Hüpfer als er mir seine Liebe ein weiteres Mal gestand und brachte mich damit mehr oder weniger aus dem Konzept, auch wenn ich seinen Worten folgte und sofort nickte. „Ich kann mich noch gut an sie und den Bären erinnern. Ich hatte immer Phasen in denen ich den Bären mochte und dann wiederum Phasen, in denen ich Angst vor dem Ding hatte. Das hat mich geprägt.“, murmelte ich leicht grinsend. „Ich werde es in die Wege leiten lassen, dass ihnen ein größeres Haus zur Verfügung gestellt wird und sie finanzielle Unterstützung bekommen. Sie haben es verdient, weil du so lange dort unter gekommen bist und vor allem, weil sie dich vor mir versteckt haben. Ich hätte nie geglaubt, dass du bei Bekannten untergekommen bist, selbst wenn ich einige davon total hektisch gefragt hab, wo du bist, ehe ich weiter gelaufen bin, um dich an anderen Ecken des Dorfes zu suchen. Für mehrere Jahre. Ich hoffe du kannst dir vorstellen, was für ein Bild man von mir als Thronfolger in den Jahren hatte.“ Während das Grinsen stets auf meinen Lippen lag, spürte ich die Gänsehaut die meinen Körper durchfuhr, als er mir über den Nacken strich. „Ich möchte, dass du für immer hier bleibst. Dass ist aber auch das Einzige, das ich wirklich von dir will. Ich liebe dich viel zu sehr, um dich noch einmal gehen zu lassen.“ Auch wenn er schon einige Schritte auf mich zugemacht und sich mir genähert hatte, wusste ich nicht, ob ich ihn nun küssen sollte. Es schien so komisch, ihn nach zehn langen Jahren wiederzusehen und direkt auf Nähe zu spielen, doch war es tatsächlich das, was ich am meisten wollte. Somit beugte ich mich ein wenig vor und drückte meine Lippen erst einmal nur kurz auf seine, während ich seine Reaktion hatte abwarten wollen. Ich hatte auch vernommen, dass unser Vater der Grund gewesen war, weshalb Denis gehen musste, doch wollte ich mir diese Freude über seine Rückkehr gerade nicht wegen Geschichten über ihn nehmen lassen. Es gab bestimmt noch einen anderen Moment, in dem ich das alles hinterfragen konnte.
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BeitragThema: Re: Lost Brother   Di Sep 16, 2014 8:16 am

Denis:

Ich war ziemlich glücklich darüber, dass er Samantha und dem Rest ihrer kleinen Familie helfen würde, weswegen ich nur dankend lächelte und ihn jedoch stets bei seinen Taten beobachtete. Seine Hände auf meiner Brust zeigten mir nur, dass er mir keinesfalls abgeneigt war, auch wenn ich wusste dass das längst nicht alles war. Jedoch mussten wir uns wohl erst einmal wieder aneinander gewöhnen, bevor es zu wirklichen Zärtlichkeiten kommen konnte. Ich war fähig zu warten, bis er auch bereit dafür war. Und somit belächelte ich nur ein wenig die Tatsache, dass er sich ziemlich gut zurückhielt, während ich ihm eigentlich die besten Vorlagen lieferte. „Es ist egal welches Bild sie von dir hatten, denn du vollbringst Wunder. Du bist mit Abstand der beste König, den sich das Land wünschen kann. Und da kann es auch völlig gleich sein, ob du mit deinem Bruder ein Verhältnis führst“, erklärte ich ihm ziemlich nachgiebig, während ich meine freie Hand an sein Becken schob, und meinen Kopf leicht neigte. Er hatte gesagt dass ich für immer bei ihm bleiben sollte, und genau das würde ich nun auch tun. Ich hatte nicht vor ihn hier alleine zu lassen, auch wenn ich mich dann wahrscheinlich mit seinem besten Freund anfreunden müssen würde. Denn mir schien nicht danach als würde dieser oft von der Seite meines Bruders weichen, worüber ich mit Valentin aber noch einmal selbst reden musste. Schließlich würde es jedem hier komisch vorkommen, dass ich plötzlich auftauchte und Valentin mich ohne Proteste bei sich aufnahm, selbst wenn ich sein leiblicher Bruder war, und somit ein Anrecht darauf hatte, mit ihm gemeinsam in diesem Schloss zu leben. Ich kam gar nicht dazu etwas zu erwidern, da er mich ziemlich vorsichtig in einen Kuss gezogen hatte, da er sich nicht sicher zu sein schien, ob er das wirklich sollte. Jedoch hatte ich ohnehin nicht vor, ihn ohne einen Kuss davon kommen zu lassen. So konnte ich auch gar nicht anders, als den Kuss zärtlich zu erwidern, und ihn sogar noch inniger werden zu lassen. Der Kuss den ich ihm damals gegeben hatte war nichts im Vergleich zu dem, was ich momentan erlebte. Denn diese Zärtlichkeit verdeutlichte nur noch einmal, wie sehr mir dieser Mann wirklich gefehlt hatte, und wie sehr ich es bedauerte, dass ich sein gesamtes Leben verpasst hatte. Und doch wollte ich darüber nicht weiter nachdenken. Stattdessen löste ich mich zufrieden aus dem Kuss, bevor ich ihm in die Augen sah und ziemlich glücklich lächelte. „Ich werde nicht mehr gehen, und das verspreche ich dir hoch und heilig. Ich werde dir sämtliche Wünsche erfüllen und aufholen, was ich die ganzen Jahre über versäumt habe“, gestand ich ihm unwiderstehlich. „Ich möchte dich für den Rest meines Lebens an meiner Seite haben und dich lieben dürfen. Wir werden immer Wege finden um uns zu lieben, trotz dem hohen Risiko gerade aufgrund deines Status“, säuselte ich ruhig. „Trotzdem musst du dich weiterhin um deine Arbeit kümmern. Ernenne mich zu deinem Leibwächter oder gib mir einen anderen wichtigen Status, der mir erlaubt, dass ich Tag und Nacht an deiner Seite stehen darf. Aber rechne damit, dass ich immer wieder Lücken finden werde, die mich dazu bringen könnten, dich ein wenig zu necken“, gestand ich schmunzelnd, während ich mich zu ihm herunter beugte und ihm sanft einen Kuss auf die warme Stirn drückte. „Denn jede Sekunde die ich Zeit für dich habe, will ich auch für dich nutzen. Denn zehn Jahre sind eine lange Zeit. Es gibt viel nachzuholen“, flüsterte ich. „Und wir werden uns diese Zeit auch nehmen. Denn du gehörst mir. Schon dein ganzes Leben lang. Vergiss das nicht.“ Ich lächelte, bevor ich ihn in einen weiteren, zärtlichen Kuss zog. Er gehörte mir, und daran würde sich auch nichts mehr ändern. Genau so wenig wie daran, dass ich einzig und allein sein Eigentum war. Niemand sollte das Recht haben sich in unsere Beziehung einzumischen, vor allem aber nicht in unser gemeinsames Leben.
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